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Kurzgeschichte

  • 1895 (bis 1967) St. Josefskolleg Watersleyde in Holland
  • 1967 Beginn des Unterrichts am Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg
  • 1968 Staatliche Anerkennung der Klassen 5 - 10
  • 1978 Staatliche Anerkennung der Oberstufe

Von Watersleyde nach Großkrotzenburg

Unsere „Klosterschule“ hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Im Jahre 1895 gegründet, hat sie vier Staatsformen erlebt: die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die Bundesrepublik Deutschland. Dazu kommen die beiden Weltkriege mit der Schließung der Schule und letztendlich die Übersiedlung nach Großkrotzenburg.

Der Grund, gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts überhaupt eine Schule zu gründen, lag darin, dass die thüringische Franziskanerprovinz hoffte, aus einer eigenen Schule ihren Nachwuchs zu rekrutieren. Das Motiv, gerade nach Holland zu gehen, hing mit den Auswirkungen des Kulturkampfes zusammen: Die Franziskaner durften zwar aus ihrem Exil nach Preußen zurückkehren, aber keine Schulen errichten.

In der Nähe von Sittard in der südholländischen Provinz Limburg, nahe der deutschen Grenze, fand man ein Kastell, das sich für eine Schule eignete. Wir würden es heute als eine zweistöckige Villa bezeichnen. 1897 konnte es die thüringische Franziskanerprovinz für 30 500 DM erwerben. Bald erwies sich das Gebäude als zu klein, die Schülerzahl wuchs ständig - mit 30 Schülern hatte man begonnen. Neue Gebäude mussten errichtet werden. Außerdem kaufte man einige Felder dazu; denn die eigene Versorgung war wichtig, weil der monatliche Beitrag der Schüler sehr gering war. Nur der selbstlosen Arbeit der Patres und Brüder war es zu danken, dass die Schule überhaupt bestehen konnte.

Die gymnasiale Studienzeit wurde zunächst auf sieben Jahre festgelegt, von denen die Schüler fünf im Kolleg und zwei nach dem Noviziat absolvieren sollten. Damit das Studium aber nicht durch den Militärdienst unterbrochen werden musste, legten die Schüler nach dem fünften Schuljahr das sog. Einjährig-Freiwilligen-Examen ab. Doch schon bald strebte man das Ziel an, die Schüler vor dem Eintritt in den Orden ihre Gymnasialstudien mit der Reifeprüfung abschließen zu lassen. Da in Watersleyde selbst das Abitur noch nicht abgelegt werden konnte, schickte man ab 1917 die beiden letzen Klassen nach Hadamar, um dort am Gymnasium die Reifeprüfung abzulegen. Die Regelung blieb 15 Jahre bestehen.

Erst Ostern 1933 konnte ein weiteres Ziel angegangen werden: die beiden Primen weiterzuführen, um als deutsche Auslandsschule anerkannt zu werden und das Abitur in eigener Regie abzuhalten. 1935 fand die erste Reifeprüfung in Watersleyde statt. Ein Vertreter des Reiches nahm die Prüfung ab. Obwohl die Abiturprüfungen auch in den beiden nächsten Jahren gut ausfielen, entzog der Reichskulturminister Rust am 12. September 1938 der Schule das Recht, Reifeprüfungen abzuhalten. Es blieb nichts anderes übrig, als die beiden oberen Klassen wieder nach Hadamar zu schicken. Dann begann der Krieg. Am 23. Februar 1940 verließen die letzten Schüler Watersleyde.

In den ersten beiden Kriegsjahren blieb es ruhig. Dann kamen niederländische Kinder mit ihren Betreuern, deren Häuser von den deutschen Behörden beschlagnahmt worden waren. Im Spätsommer 1944 eroberten die Alliierten die Gegend; sie blieb bis zum März 1945 Frontgebiet. Diese Zeit brachte viele Einquartierungen und Schäden. Nach Kriegsende sollte die Schule als deutsches Eigentum enteignet werden.

Aber vor allem dank der Bemühungen des Bischofs von Roermond (Niederlande) blieb das Eigentumsrecht erhalten. Zunächst verlegten die holländischen Franziskaner ihre Schule nach Watersleyde, da ihr eigenes Kolleg in Katwijk aan Zee im Krieg zerstört worden war und erst wieder aufgebaut werden musste. Im Februar 1952 zogen die holländischen Franziskaner wieder aus. Bereits am 8. Mai desselben Jahres konnten deutsche Schüler wieder in das Kolleg einziehen. Eine neue Ära begann.

Die Schule orientierte sich im Großen und Ganzen an den hessischen Lehrplänen, da die Schüler nach der Obersekunda wieder nach Hadamar gingen, um dort das Abitur zu machen. Doch das Ziel blieb, Watersleyde wieder als Vollanstalt auszubauen. An Ostern 1961 konnte erstmals wieder in eigener Regie das Abitur abgenommen werden. Nach einer weiteren Abiturprüfung 1962 wurde das Kolleg als deutsches Auslandsgymnasium staatlich anerkannt.

Watersleyde war eine Internatsschule, denn die Jungen kamen aus fast allen Teilen Deutschlands und fuhren nur in den Ferien nach Hause. Nur wenige Externe besuchten das Gymnasium. Als staatliches Auslandsgymnasium wurde die Schule vom Auswärtigen Amt unterstützt. Aber wie lange dieser Status währen würde, war fraglich. Im Laufe der Jahre kamen immer weniger Jungen nach Watersleyde, weil inzwischen das Netz der Höheren Schulen in Deutschland immer dichter wurde. Es musste nun überlegt werden: Soll die Schule überhaupt weitergeführt werden, und wenn ja, wo sollte dies geschehen? Die Weißen Väter gaben um diese Zeit in Großkrotzenburg ihre Schule auf.

Dank der Bemühungen von Pfarrer Henkel, Bürgermeister Woytal und Bischof Bolte von Fulda erwarben die Franziskaner das Gelände und die Gebäude der Schule, die von den Weißen Vätern unter dem Namen „Gymnasium Africanum" geführt worden war. Manches musste gebaut und renoviert werden: In dem von den Weißen Vätern übernommenen Gebäudekomplex wurde der Mittelbau aufgestockt. Die Schulgebäude wurden von einer holländischen Firma in Fertigbauweise errichtet.

Nach langen Verhandlungen wurden die Gebäude und Güter in Watersleyde an eine holländische Stiftung verkauft, die behinderte Kinder betreut. Ihr kamen die ruhige Lage und der Neubau sehr zustatten.

Das Franziskanergymnasium in Großkrotzenburg konnte im Jahr 2007 sein 40-jähriges Jubiläum an diesem Ort feiern. Baulich wurde die Schule seit ihren Anfängen deutlich verändert. Nachdem in den ersten Jahrzehnten noch teilweise in Baracken unterrichtet worden war, wurden zwischen 1996 und 1998 neue Klassentrakte, die Aula, ein Probenraum, die Eingangshalle und ein Verwaltungsgebäude neu errichtet. Die Bibliothek und der Fachraumtrakt für die Naturwissenschaften wurden umgebaut. 2006 wurde die Cafeteria erweitert. Im Jahr 2008 erhielt der Mittelstufenbau ein nach ökologischen Kriterien aufgebautes Dach mit Begrünung.