{"id":35140,"date":"2023-01-18T14:42:01","date_gmt":"2023-01-18T13:42:01","guid":{"rendered":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/?p=35140"},"modified":"2023-01-26T11:02:14","modified_gmt":"2023-01-26T10:02:14","slug":"eine-noch-immer-offene-wunde-das-attentat-in-hanau-und-seine-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/eine-noch-immer-offene-wunde-das-attentat-in-hanau-und-seine-folgen\/","title":{"rendered":"Eine noch immer offene Wunde: Das Attentat in Hanau und seine Folgen"},"content":{"rendered":"<h3>\r\nBesuch des Opferbeauftragten der Stadt Hanau, Andreas J\u00e4ger, am Franziskanergymnasium Kreuzburg <\/h3><p>\r\n<a attid=\"35145\"  href=\"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01_11BesuchOpferbeauftragter2.jpg\" rel=\"lightbox[35140]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01_11BesuchOpferbeauftragter2-300x232.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"232\" class=\"alignright size-medium wp-image-35145\" srcset=\"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01_11BesuchOpferbeauftragter2-300x232.jpg 300w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01_11BesuchOpferbeauftragter2-1024x792.jpg 1024w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01_11BesuchOpferbeauftragter2-768x594.jpg 768w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01_11BesuchOpferbeauftragter2-1536x1187.jpg 1536w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01_11BesuchOpferbeauftragter2-2048x1583.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Dass das \u201ekeine normale Unterrichtsstunde\u201c zum Thema \u201eRassismus\u201c werden wird, ist auf einen Blick zu erkennen: Ein Sitzkreis mit 19 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern des Q1-Geschichtskurses von Lukas Bergmann, mit elf 15-16-j\u00e4hrigen Jugendlichen aus der Partnerschule Col\u00e9gio Visconde de Porto Seguro in Sao Paulo, die sich im Rahmen des Austausches an ihrer Partnerschule Kreuzburg in ihrer 4. Woche befinden, mit dem Vater einer Elftkl\u00e4sslerin, der zur Zeit auch Gast\u201cvater\u201c einer brasilianischen Sch\u00fclerin ist  und schlie\u00dflich mit Bruder Bernardin und Schulleiter Thomas Wolf, die den Referenten erfreut als ehemaligen Kreuzburgsch\u00fcler und Themenexperten begr\u00fc\u00dfen. Eine ziemlich ungew\u00f6hnliche Lerngruppe also, sozusagen eine kleine bunte Vielfalt bzgl. Alter, Erfahrungen, Zug\u00e4ngen zum Thema, Lebenskulturen und -orten, die sich hier am Mittwochnachmittag in Raum D005\/006 zusammengefunden hat. Eine Anfrage der Koordinatorin des Brasilienaustauschs der Kreuzburg bei der Stadt Hanau in Bezug auf Angebote zur Aufarbeitung des Attentats am 19.02.2020  hatte durch Weiterleitung in das B\u00fcro der Fachstelle Vielfalt und zu dem Leiter der Fachstelle, Andreas J\u00e4ger, gef\u00fchrt, der spontan einen Besuch an seiner alten Schule f\u00fcr den 11. Januar zusagte. Kurz nach dem Attentat wurde er zum Opferbeauftragten der Stadt Hanau als Ansprechpartner f\u00fcr die Betroffenen und Angeh\u00f6rigen der Opfer ernannt, just zu einem Zeitpunkt, als der erste Lockdown als Reflex auf die Pandemie viele M\u00f6glichkeiten der Kontaktaufnahme zerschlug. Als sehr herausfordernd habe er die Anfrage zu dieser T\u00e4tigkeit empfunden und sich schon gefragt, ob er die Konfrontation mit so viel Leid und Schmerz eigentlich aushalten w\u00fcrde: \u201eKann ich das schaffen?\u201c, habe er seine Frau gefragt. Dazugekommen sei die massive Ersch\u00fctterung dar\u00fcber, dass so etwas in seiner Stadt Hanau, die er als so offen und multikulturell erlebe, passiert sei: \u201e\u00dcberall \u2013 aber nicht in meinem Hanau!\u201c, das sei eigentlich seine tiefe \u00dcberzeugung gewesen. Der nachhaltige Schock wird f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler greifbar, die aus der Region vergegenw\u00e4rtigen sich, wie sich das \u201edamals\u201c, vor fast 3 Jahren, angef\u00fchlt hat. \u201eDie Opfer waren keine Fremden\u201c \u2013 diese Plakate hingen danach \u00fcberall in der Stadt Hanau, und die Aussage spiegelte auch das ehrliche Empfinden der Hanauer wider: Man habe fast den Eindruck gehabt, alle Einwohner h\u00e4tten in irgendeiner Form Verbindungen zu den Familien der Opfer gehabt, jemanden gekannt, der die Familien kannte, die schon lange in Hanau wohnten, integriert waren\u2026 Nicht zu fassen: Ein rassistisch motiviertes Attentat, hier im friedlichen Multi-Kulti-Miteinander Hanaus? \u201eHanau steht zusammen\u201c lautete die allgegenw\u00e4rtige Aufschrift auf anderen Plakaten \u2013 und das wurde auch so empfunden, diese Verbundenheit in Trauer einer ganzen Stadt um acht gewaltsam get\u00f6tete junge Hanauer und eine Hanauerin in einer einzigen Nacht. Der T\u00e4ter: Hanauer, wie sie. <\/p><p>\r\nDie Geschehnisse rund um das Attentat wurden oft beschrieben, auch die Pannen in der Tatnacht. Die Jugendlichen interessiert, wie Andreas J\u00e4ger das aus n\u00e4chster N\u00e4he erlebt hat und heute immer noch erlebt. Was kann er dar\u00fcber berichten, was an welchen Stellen schieflief, wie es zu dem Ausma\u00df dieses Horrors kam? Und welche \u201eZwischenbilanz\u201c l\u00e4sst sich heute, 3 Jahre sp\u00e4ter ziehen? Andreas J\u00e4ger hat bis heute \u2013 neben vielen anderen Aufgaben in der Fachstelle Vielfalt &#8211; t\u00e4glich mit den Familien der Opfer zu tun, kein Tag ohne Telefonat. Seine Aufgabe bestand und besteht im Zuh\u00f6ren und in der Organisation und Koordination von Hilfsangeboten, auch finanzieller Art, und Sozialleistungen. Er ist f\u00fcr sie derjenige, der etwas in Bewegung bringen und Verbesserungen erwirken kann. Selbstkritisch merkt er an, dass da \u2013 trotz allen Engagements \u2013 noch mehr gegangen w\u00e4re. Heute w\u00e4re man weiter in seinen M\u00f6glichkeiten, auch durch diese schlimmen Erfahrungen. Und die Opferfamilien?  Die Fragen seien nicht weniger und die Verzweiflung der Angeh\u00f6rigen nicht kleiner geworden, bohrende Fragen und das Leiden an aberwitzig vielen Unzul\u00e4nglichkeiten in dieser Nacht seien nach wie vor schmerzhaft. Andreas J\u00e4ger dazu: \u201eDer Notruf war \u00fcberlastet, da es in der Polizeistation Hanau ein altes System gab, welches die eingehenden Anrufe nicht weiterleiten konnte. Deswegen konnten Anrufe nicht angenommen werden. Die Kolleginnen und Kollegen der Polizei am Tatort haben ihre Arbeit gemacht. Aber nat\u00fcrlich war niemand auf so einen Einsatz vorbereitet. Viele waren in dieser Nacht an ihrer Belastungsgrenze.\u201c Die Angeh\u00f6rigen mussten dr\u00e4ngen, dass bestimmte Nachforschungen und Ermittlungen in Gang kamen. Es existiert der Vorwurf des verschlossenen Notausgangs in der Arena-Bar. \u201eWarum dieser verschlossen wurde und ob er verschlossen war, dar\u00fcber gibt es viele Spekulationen und Aussagen. Der Untersuchungsausschuss in Wiesbaden muss diese Fragen beantworten. Alle waren in einer Ausnahmesituation in dieser Nacht und es gibt verschiedene Perspektiven, die sicher alle ihre Berechtigung haben\u201c, betont der Opferbeauftragte.\r\nEin Detail der extremen Belastung der Opferfamilien durch das Verhalten des Vaters des T\u00e4ters, der f\u00fcr seine rechtsideologische Gesinnung und sein Verschw\u00f6rungsdenken bekannt sei, trifft die Anwesenden besonders, ihre Gesichter verraten es: Der Mann, der nur wenige H\u00e4user entfernt von Opferangeh\u00f6rigen wohnt, sucht immer noch, bis heute den Kontakt zu den Familienmitgliedern auf seinen Spazierg\u00e4ngen mit dem Sch\u00e4ferhund und verwickelt sie in Gespr\u00e4che. Er vertritt die These, sein Sohn habe die Tat nicht begangen, hat geklagt, weil er die Tatwaffen erhalten m\u00f6chte und pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass das vielseitige, mit rechtsextremem Gedankengut und Verschw\u00f6rungsdenken getr\u00e4nkte Pamphlet des Sohnes wieder auf die Website gestellt wird. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie diese Konfrontationen und Aktionen die Angeh\u00f6rigen belasten m\u00fcssen\u2026<\/p><p>\r\n\u201cWas wei\u00df man \u00fcber den T\u00e4ter?\u201c \u201eWoher bekam er die Waffen?\u201c \u201eWie hat er seine Opfer ausgemacht?\u201c, m\u00f6chten die brasilianischen Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen wissen. Sie werden informiert, dass der T\u00e4ter das Attentat schon lange geplant hatte, dass er wusste, dass die muslimischen Mitb\u00fcrger in den Shishabars anzutreffen waren. In seiner Denkweise h\u00e4tten sie f\u00fcr ihn all das repr\u00e4sentiert, was er ablehnte und sie seien, in seiner Logik, die Ursache daf\u00fcr gewesen, dass es ihm selbst schlecht gegangen sei. Und er habe einen Waffenschein besessen, vom zust\u00e4ndigen Amt ausgestellt.\r\n\u00dcber das Negative wurde im Rahmen der Ermittlungen viel geschrieben \u2013 gibt es denn Positives, von dem Andreas J\u00e4ger sagen kann: \u201eDas ist ganz gut gelaufen?\u201c Ja: Hanau sei der einzige Fall unter all den Attentaten, in dem man mehr \u00fcber die Opfer wisse und in dem mehr \u00fcber die Opfer geredet werde als \u00fcber den T\u00e4ter. Wer sich mit dem Attentat besch\u00e4ftigt hat, kann das best\u00e4tigen. In Hanau wird man oft an die Namen und Gesichter der 9 jungen Menschen erinnert. Auf der auf Leinw\u00e4nden in der ganzen Stadt und im Fernsehen \u00fcbertragenen Gedenkfeier am 04.03.2020, bei der nach seiner Einsch\u00e4tzung so viele politische W\u00fcrdentr\u00e4ger wie noch nie zuvor in Deutschland bei \u00e4hnlichen Anl\u00e4ssen versammelt waren, wurde viel Wert darauf gelegt, die Opfer zu vergegenw\u00e4rtigen und die Angeh\u00f6rigen zu Wort kommen zu lassen.<\/p><p>\r\nDie Frage nach den Konsequenzen: Was hat man gelernt? Hat sich etwas verbessert? Die Verwaltung der Stadt Hanau habe viel daf\u00fcr getan, ihre Hilfsstrukturen zu verbessern und Hilfe schneller ankommen zu lassen. Bei der Polizei wurde die Rufweiterleitung installiert, so dass es zu keiner \u00dcberlastung der Leitungen mehr kommen solle. Bundesweit wurde 2022 ein Demokratief\u00f6rdergesetz verabschiedet zur Pr\u00e4vention jeglicher Form von Extremismus, F\u00f6rderung der Demokratie und St\u00e4rkung gesellschaftlicher Vielfalt durch die Bezuschussung von Projekten und Programmen mit diesen Zielen. <\/p><p>\r\nEbendiese F\u00f6rderung der Vielfalt, die sich in der Gesellschaft bzw. in allen gesellschaftlichen Institutionen, sei es nun Verwaltung, Bildungseinrichtung, Feuerwehr, ehrenamtlichen Vereinen etc. abbilden soll, wird von den Gespr\u00e4chsteilnehmerinnen und -teilnehmern als besonders wichtig begr\u00fc\u00dft und als Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahme unterstrichen. Das Attentat in Hanau habe verdeutlicht, dass es an dieser selbstverst\u00e4ndlichen bunten Vielfalt immer noch mangele und dass sich dies \u00e4ndern m\u00fcsse. Zum Gespr\u00e4chsende setzt sich noch eine zweite Erkenntnis durch: Auch wenn die Opfer in Hanau gut integriert waren \u2013 das ist nicht immer so. Oft bewegen sich Mitglieder in unserer Gesellschaft nur in ihrer jeweiligen \u201eBubble\u201c und \u201emischen\u201c sich nicht. Und: Jede\/r k\u00f6nne selbst etwas zur Integration beitragen und man solle sich nicht auf der Einstellung ausruhen, dass \u201edie anderen\u201c, wom\u00f6glich als \u201efremd\u201c oder \u201eanders\u201c Empfundenen, sich doch selbst integrieren sollen. Ein Teilnehmer gibt zu, nach den Ereignissen in Hanau erkannt zu haben, dass es nicht reiche, darauf zu vertrauen, dass andere die Integration schon f\u00f6rdern, z.B. auf Stadtfesten. Nein, man k\u00f6nne durch eigenes Aktivwerden, z.B. durch gezieltes Ansprechen und Werben f\u00fcr Vereine f\u00fcr die Abbildung der bunten Vielfalt der Gesellschaft in Institutionen oder auch B\u00fcrgerinitiativen sorgen und somit Hemmschwellen und Ber\u00fchrungs\u00e4ngste abbauen. <\/p><p>\r\nSichtlich ber\u00fchrt und nachdenklich verlassen die Jugendlichen und die Erwachsenen die Runde und sind dankbar f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit Andreas J\u00e4ger, f\u00fcr den sowohl die tragischen Ereignisse und Pannen in der Nacht vom 19.02.20 als auch das Leiden der Angeh\u00f6rigen seit nunmehr 3 Jahren t\u00e4glich pr\u00e4sent sind. Und er vers\u00e4umt zum Abschluss nicht, auf eine Ausstellung im Hanauer Rathaus aufmerksam zu machen, die vom 01.02. \u2013 18.03.2023 beides in den Blick nimmt:<\/p>\r\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\r\n<tbody>\r\n<tr>\r\n<td style=\"width: 100%;\"><strong>\u201eHanau 19.Februar 2020 \u2013 Drei Jahre Erinnerung und Aufkl\u00e4rung\u201c<\/strong><br>\r\nDie Ausstellung ist t\u00e4glich von 10 \u2013 17 Uhr f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit kostenlos zug\u00e4nglich. Auf der Website \u201eHanau-steht-zusammen\u201c hei\u00dft es erkl\u00e4rend dazu: \u201eEin Teil der Ausstellung dokumentiert in einer Zeitleiste und in Videorekonstruktionen sehr detailliert die Tatnacht und thematisiert dabei insbesondere die Fehler und Vers\u00e4umnisse der Polizei. Ein zweiter Teil zeichnet den Kampf der Angeh\u00f6rigen, \u00dcberlebenden und ihrer Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer um Erinnerung und Aufkl\u00e4rung nach.\u201c<br>\r\nSchulklassen und andere Gruppen k\u00f6nnen auch au\u00dferhalb der \u00d6ffnungszeiten Termine und F\u00fchrungen mit Angeh\u00f6rigen der Opfer vereinbaren.<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n                                                                                                                                               \r\n<a attid=\"35146\"  href=\"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01Besuch-Opferbeauftragter-scaled.jpg\" rel=\"lightbox[35140]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01Besuch-Opferbeauftragter-1024x461.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"432\" class=\"alignleft size-large wp-image-35146\" srcset=\"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01Besuch-Opferbeauftragter-1024x461.jpg 1024w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01Besuch-Opferbeauftragter-300x135.jpg 300w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01Besuch-Opferbeauftragter-768x346.jpg 768w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01Besuch-Opferbeauftragter-1536x691.jpg 1536w, https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023_01Besuch-Opferbeauftragter-2048x922.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Besuch des Opferbeauftragten der Stadt Hanau, Andreas J\u00e4ger, am Franziskanergymnasium Kreuzburg Dass das \u201ekeine normale Unterrichtsstunde\u201c zum Thema \u201eRassismus\u201c werden wird, ist auf einen Blick zu erkennen: Ein Sitzkreis mit 19 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern des Q1-Geschichtskurses von Lukas Bergmann, mit elf 15-16-j\u00e4hrigen Jugendlichen aus der Partnerschule Col\u00e9gio Visconde de Porto Seguro in Sao Paulo, die sich im Rahmen des Austausches an ihrer Partnerschule Kreuzburg in ihrer 4. 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Kurz nach dem Attentat wurde er zum Opferbeauftragten der Stadt Hanau als Ansprechpartner f\u00fcr die Betroffenen und Angeh\u00f6rigen der Opfer ernannt, just zu einem Zeitpunkt, als der erste Lockdown als Reflex auf die Pandemie viele M\u00f6glichkeiten der Kontaktaufnahme zerschlug. Als sehr herausfordernd habe er die Anfrage zu dieser T\u00e4tigkeit empfunden und sich schon gefragt, ob er die Konfrontation mit so viel Leid und Schmerz eigentlich aushalten w\u00fcrde: \u201eKann ich das schaffen?\u201c, habe er seine Frau gefragt. Dazugekommen sei die massive Ersch\u00fctterung dar\u00fcber, dass so etwas in seiner Stadt Hanau, die er als so offen und multikulturell erlebe, passiert sei: \u201e\u00dcberall \u2013 aber nicht in meinem Hanau!\u201c, das sei eigentlich seine tiefe \u00dcberzeugung gewesen. 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Der T\u00e4ter: Hanauer, wie sie. Die Geschehnisse rund um das Attentat wurden oft beschrieben, auch die Pannen in der Tatnacht. Die Jugendlichen interessiert, wie Andreas J\u00e4ger das aus n\u00e4chster N\u00e4he erlebt hat und heute immer noch erlebt. Was kann er dar\u00fcber berichten, was an welchen Stellen schieflief, wie es zu dem Ausma\u00df dieses Horrors kam? Und welche \u201eZwischenbilanz\u201c l\u00e4sst sich heute, 3 Jahre sp\u00e4ter ziehen? Andreas J\u00e4ger hat bis heute \u2013 neben vielen anderen Aufgaben in der Fachstelle Vielfalt &#8211; t\u00e4glich mit den Familien der Opfer zu tun, kein Tag ohne Telefonat. Seine Aufgabe bestand und besteht im Zuh\u00f6ren und in der Organisation und Koordination von Hilfsangeboten, auch finanzieller Art, und Sozialleistungen. Er ist f\u00fcr sie derjenige, der etwas in Bewegung bringen und Verbesserungen erwirken kann. Selbstkritisch merkt er an, dass da \u2013 trotz allen Engagements \u2013 noch mehr gegangen w\u00e4re. Heute w\u00e4re man weiter in seinen M\u00f6glichkeiten, auch durch diese schlimmen Erfahrungen. Und die Opferfamilien? Die Fragen seien nicht weniger und die Verzweiflung der Angeh\u00f6rigen nicht kleiner geworden, bohrende Fragen und das Leiden an aberwitzig vielen Unzul\u00e4nglichkeiten in dieser Nacht seien nach wie vor schmerzhaft. Andreas J\u00e4ger dazu: \u201eDer Notruf war \u00fcberlastet, da es in der Polizeistation Hanau ein altes System gab, welches die eingehenden Anrufe nicht weiterleiten konnte. Deswegen konnten Anrufe nicht angenommen werden. Die Kolleginnen und Kollegen der Polizei am Tatort haben ihre Arbeit gemacht. Aber nat\u00fcrlich war niemand auf so einen Einsatz vorbereitet. Viele waren in dieser Nacht an ihrer Belastungsgrenze.\u201c Die Angeh\u00f6rigen mussten dr\u00e4ngen, dass bestimmte Nachforschungen und Ermittlungen in Gang kamen. Es existiert der Vorwurf des verschlossenen Notausgangs in der Arena-Bar. \u201eWarum dieser verschlossen wurde und ob er verschlossen war, dar\u00fcber gibt es viele Spekulationen und Aussagen. Der Untersuchungsausschuss in Wiesbaden muss diese Fragen beantworten. Alle waren in einer Ausnahmesituation in dieser Nacht und es gibt verschiedene Perspektiven, die sicher alle ihre Berechtigung haben\u201c, betont der Opferbeauftragte. Ein Detail der extremen Belastung der Opferfamilien durch das Verhalten des Vaters des T\u00e4ters, der f\u00fcr seine rechtsideologische Gesinnung und sein Verschw\u00f6rungsdenken bekannt sei, trifft die Anwesenden besonders, ihre Gesichter verraten es: Der Mann, der nur wenige H\u00e4user entfernt von Opferangeh\u00f6rigen wohnt, sucht immer noch, bis heute den Kontakt zu den Familienmitgliedern auf seinen Spazierg\u00e4ngen mit dem Sch\u00e4ferhund und verwickelt sie in Gespr\u00e4che. Er vertritt die These, sein Sohn habe die Tat nicht begangen, hat geklagt, weil er die Tatwaffen erhalten m\u00f6chte und pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass das vielseitige, mit rechtsextremem Gedankengut und Verschw\u00f6rungsdenken getr\u00e4nkte Pamphlet des Sohnes wieder auf die Website gestellt wird. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie diese Konfrontationen und Aktionen die Angeh\u00f6rigen belasten m\u00fcssen\u2026 \u201cWas wei\u00df man \u00fcber den T\u00e4ter?\u201c \u201eWoher bekam er die Waffen?\u201c \u201eWie hat er seine Opfer ausgemacht?\u201c, m\u00f6chten die brasilianischen Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen wissen. Sie werden informiert, dass der T\u00e4ter das Attentat schon lange geplant hatte, dass er wusste, dass die muslimischen Mitb\u00fcrger in den Shishabars anzutreffen waren. In seiner Denkweise h\u00e4tten sie f\u00fcr ihn all das repr\u00e4sentiert, was er ablehnte und sie seien, in seiner Logik, die Ursache daf\u00fcr gewesen, dass es ihm selbst schlecht gegangen sei. Und er habe einen Waffenschein besessen, vom zust\u00e4ndigen Amt ausgestellt. \u00dcber das Negative wurde im Rahmen der Ermittlungen viel geschrieben \u2013 gibt es denn Positives, von dem Andreas J\u00e4ger sagen kann: \u201eDas ist ganz gut gelaufen?\u201c Ja: Hanau sei der einzige Fall unter all den Attentaten, in dem man mehr \u00fcber die Opfer wisse und in dem mehr [&hellip;]","protected":false},"author":3,"featured_media":35148,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[491,196],"class_list":["post-35140","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-brasilien","tag-schueleraustausch"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-16 11:00:30","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35140"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35140\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35238,"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35140\/revisions\/35238"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/franziskanergymnasium-kreuzburg.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}