„Eine Demokratie ist nur so gut, wie die Demokraten, die in ihr leben“ – Frau Freifrau von Bottlenberg-Landsberg im Gespräch an der Kreuzburg
Das ist eine der starken Thesen, die uns Frau Freifrau von Bottlenberg-Landsberg mit auf den Weg gegeben hat. Die 96jährige Historikerin besuchte am 29. und 30. Oktober 2026 das Franziskanergymnasium Kreuzburg für jeweils ein Zeitzeugengespräch mit allen Zehnt- und allen Zwölftklässlern. Auch die anderen Jahrgänge begrüßten sie und hatten viele Fragen.
„Weil man Dinge besser erklären kann, wenn man weiß, wie es früher war.“ Mit dieser Mission kam Frau Freifrau von Bottlenberg-Landsberg zu uns an die Schule. Sie sprach über ihr Leben als Tochter eines Widerstandskämpfers und über ihren Alltag im Dritten Reich.
„Was kann Geschichte uns heute noch sagen – und wie wir am Beispiel des Widerstandes gegen den Nationalismus daraus lernen können“ – war eines der Themen, die unser charmanter Gast mit den Schülerinnen und Schülern besprochen hat. Dieses Thema bewegt unsere Schüler und Schülerinnen zur Zeit sehr. Auch Frau Bottlenberg sagte, sie mache sich große Sorgen. Gerade heute ist es wichtig, für seine Werte einzustehen und Widerstand zu leisten, wenn jemand die Demokratie oder die Menschenrechte angreift. Wer miteinander spricht und sich mit Dingen auseinandersetzt, kann diesen Sorgen entgegentreten. „Reflektieren Sie sich selbst und haben Sie stets den Mut, Fragen zu stellen.“ Eine genaue Antwort, wie man sich momentan richtig verhalten soll, wünschten sich die Zuhörer, schließlich waren sich alle einig, dass es keine einfache Antwort auf diese komplexe Frage geben kann. „Es sei jedoch wichtig, die Programme der einzelnen Parteien sorgfältig zu lesen und sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Jeder Mensch ist mitverantwortlich, dass sich die Ereignisse des Dritten Reiches nicht mehr wiederholen.“ fügte unser Gast an.
Weiter ging es mit Berichten über ihren Vater, dem Widerstandskämpfer, Historiker und Publizisten Karl Ludwig Freiherr von und zu Gutenberg, der Widerstand, u. a. durch die Vorbereitung des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944, gegen das Regime Hitlers leistete und schließlich dafür mit seinem Leben bezahlen musste. „Ich kann keine Heldengeschichten erzählen – mein Vater war ein einfacher Mann, der uns auch beim Kartenspielen beschummelt hat oder der sehr gute Spickzettel angefertigt hat, um gut durch das Abitur zu kommen.“ Dies war ein beeindruckender und authentischer Satz. Zudem gab Frau Bottlenberg zu bedenken, dass man niemanden idealisieren solle, ohne eindringlich nachzudenken.
Sie berichtete vom Alltag in der Familie von und zu Gutenberg oder ihren Erlebnissen in der Schule und dem Umgang mit der damaligen Ideologie. Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig es ist, guten Werten als Richtschnur zu folgen und gesetzte Prinzipien zu hinterfragen. Für Frau Bottlenberg sind dies vor allem die christlichen Grundwerte, die ihr geholfen haben und noch helfen, Dinge und Ereignisse zu reflektieren und eine gute Position zu finden. Dies ist auch ein Grund dafür – und dies verdient unsere ganze Anerkennung – dass sie das Erbe ihres Vaters weiterträgt und junge Generationen daran teilhaben lässt.
An der Kreuzburg wissen unsere Schülerinnen und Schüler dies sehr zu schätzen. Selbst die Jüngsten kamen vorbei, um Frau von Bottlenberg-Landsberg zu begrüßen und viele Fragen zu stellen. Es war eine wahre Freude.
(Karin Hofmann, Leitung des Fachbereichs II)

