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gültig ab dem Schuljahr 2016/17

1. Warum ist eine Lese-Rechtschreib-Förderung nötig?

Die Kinder, die am Franziskanergymnasium Kreuzburg aufgenommen werden, kommen aus zahlreichen unterschiedlichen Grundschulen, Gemeinden und sogar aus zwei verschiedenen Bundesländern. Trotz guter Zeugnisnoten beobachten wir vor allem im Deutschunterricht der Eingangsklassen eine große Heterogenität, was Lesekompetenz und Rechtschreibkenntnisse angeht. Beide Fähigkeiten sind jedoch Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Laufbahn an einem Gymnasium und im späteren Studium und Berufsleben.
Schülerinnen und Schüler mit Defiziten oder einer Lese-Rechtschreib-Teilleistungsschwäche (LRS) erhalten an unserer Schule eine Förderung, die sie im Laufe der ersten beiden Schuljahre, spätestens aber bis zum Ende der Sekundarstufe I, befähigen soll, ihre individuellen Probleme auf diesem Gebiet zu überwinden, um den Anforderungen des Lernens an einem Gymnasium gut gewachsen zu sein.

2. Was unternimmt das Franziskanergymnasium Kreuzburg?

Für eine Lese-Rechtschreib-Teilleistungsschwäche (LRS) gibt es eine Vielzahl an Ursachen. Schule kann nur auf einen begrenzten Teil von ihnen einwirken: Lesekompetenz fördern, Rechtschreibregeln vermitteln und Grammatikkenntnisse sowie Beziehungen innerhalb der Lerngruppe stärken.
Die rechtlichen Grundlagen, auf denen das gesamte Förderangebot der Kreuzburg beruht, sind die Vorgaben des hessischen Kultusministeriums: die Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses [VOGSV] vom 19.08.2011, zuletzt geändert am 29.04.2014, §§ 5-7, 37-44. Dort ist festgelegt, dass die Schule die Lernausgangslage der Schüler bestimmt und bei Bedarf Fördermaßnahmen einleitet. Diese Fördermaßnahmen sollen spätestens bis zum Ende der Sekundarstufe I abgeschlossen sein. Zur Diagnose von besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben sowie zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit LRS-Problemen werden am Franziskanergymnasium Kreuzburg folgende Maßnahmen durchgeführt:

a. Lesen

Lesen ist eine Basisfähigkeit, die einen starken Einfluss auf die gesamte Schul- und Berufslaufbahn hat. Probleme im Leseverständnis wirken sich in der Schule nahezu auf alle Fächer aus: vom Lesen und Verstehen von Texten im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich bis hin zum Verständnis von Sachtexten und Textaufgaben in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern.
Die neu aufgenommenen Fünftklässler werden in den ersten Wochen der Schulzeit im Rahmen des Deutschunterrichts mit Hilfe des standardisierten „Stolperwörtertests“ auf den Stand ihrer Lesefertigkeit getestet. Nach den Herbstferien teilt der LRS-Beauftragte in enger Absprache mit den jeweiligen Deutschlehrkräften die Schülerinnen und Schüler mit besonderen Defiziten im Lesebereich in Lese-Förderkurse ein, die sie dabei unterstützen sollen, den sich steigernden Leseanforderungen im Unterricht besser gerecht zu werden. Die Förderkurse gehen bis zum Ende des Halbjahres (5 I). Die Teilnahme daran ist nach § 41,2 VOGSV verpflichtend.
Nach Ende des Kurses erfolgt eine standardisierte Evaluation des individuellen Lesefortschritts, die über die Deutsch-Lehrkräfte an die Schülerinnen und Schüler zurückgemeldet wird.

b. Schreiben

Im ersten Halbjahr der fünften Jahrgangsstufe werden alle Schülerinnen und Schüler mit zwei standardisierten Diktaten auf ihre Rechtschreibfertigkeiten hin getestet. Mit den Kindern, die eine deutlich erhöhte Fehlerzahl in LRS-sensiblen Bereichen aufweisen, wird ein weiterer standardisierter Test durchgeführt, der extern beim Lernserver-Institut (Münster) ausgewertet wird und eine klare Analyse der Fehlerhäufigkeit und -art liefert. Das Lernserver-Institut erstellt für jedes betroffene Kind das individuell passende Übungsmaterial.

Alle Schülerinnen und Schüler, bei denen die Münsteraner Rechtschreib-Analyse einen erhöhten Förderbedarf diagnostiziert hat, werden nach Schweregrad der vorliegenden LRS einem Förderkurs zugeteilt. Dieser beginnt mit dem 2. Halbjahr der fünften Klasse (5 II) und wird von einer Deutsch-Lehrkraft geleitet. Ziel des Förderkurses ist, den Schülerinnen und Schülern Fehleranalyse- und Schreibstrategien zu vermitteln, ihre Selbstkompetenz zu fördern und sie zum Umgang mit dem individuellen Fördermaterial anzuleiten. Die Teilnahme am Förderkurs ist für die Schülerinnen und Schüler nach § 41,2 VOGSV verpflichtend.
Für alle Schülerinnen und Schüler, die einen Förderkurs besuchen, erstellt die Deutsch-Lehrkraft einen Förderplan, der halbjährlich mit den Eltern besprochen wird.

Am Ende jedes Halbjahres erfolgt ein Evaluationstest, der vom Lernserver-Institut Münster ausgewertet wird und Aufschluss darüber gibt, ob ein Kind weiterhin den Förderkurs besuchen muss oder das Übungsmaterial zu Hause bearbeiten kann. Die Betreuung und Kontrolle erfolgt dabei durch die Deutsch-Lehrkraft.

Die maximale Unterstützung durch Förderkurse beträgt vier Halbjahre (5 II – 7 I). Sollte im Anschluss daran noch Förderbedarf bestehen, wird dieser im Rahmen eines Förderplans von der Deutsch-Lehrkraft individuell festgelegt und mit den betroffenen Kindern sowie den Eltern besprochen.

3. Was können die Eltern tun?

Wenn man die täglichen Verweilzeiten der Schülerinnen und Schüler betrachtet, so wird klar, dass den Eltern im häusli¬chen Umfeld eine herausragende Rolle bei der Unterstützung der Schule im Bemühen um die Lese-Rechtschreib-Erziehung zukommt. Eltern können ihre Kinder vielfältig un-terstützen, wenn diese von einer LRS betroffen sind. Dazu gehört z. B., zu Hause für ausreichende kör¬perliche Bewegung zu sorgen, eine anregende Leseatmosphäre – einschließlich Vorlesen! – zu schaffen und die Kinder zu Schreibübungen zu ermuntern bzw. sie bei Schreibaufgaben zu unterstützen. Dies alles sollte in enger Abstimmung mit der Deutsch-Lehrkraft erfolgen.

Zur Abklärung der gesamten Symptomatik und zum Aufdecken möglicher organischer Defizite (Sehen/Hören) kann die Einholung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens sinnvoll sein.

Eltern von Schülerinnen und Schülern mit LRS-Problemen können zu Beginn eines jeden Halbjahres einen Antrag auf Nachteilsausgleich an die entsprechende Klassenleitung/Klassenkonferenz stellen. Über diese Möglichkeit werden sie zu Beginn des Schuljahres von der Schulleitung schriftlich informiert. Die Entscheidung über Gewährung und Form eines Nachteilsausgleichs liegt bei den Fachlehrkräften einer Klasse. Der Nachteilsausgleich wird in der Regel für die Dauer eines Schulhalbjahres gewährt.
Für Schülerinnen und Schüler, die einen Nachteilsausgleich erhalten, erstellt die Deutschlehrkraft nach Rücksprache mit der Klassenkonferenz einen Förderplan, der mit den Eltern sowie mit der Schülerin und dem Schüler erörtert und in der Schülerakte abgelegt wird.

Grundsätzlich gilt, dass Hilfen in Form von Nachteilsausgleich oder dem Abweichen von den allg. Grundsätzen der Leistungsfeststellung vorrangig sind gegenüber dem Abweichen von den allg. Grundsätzen der Leistungsbewertung, also z. B. dem vorübergehenden Verzicht auf die Rechtschreibnote. Nur in besonders begründeten Einzelfällen können sie auch nebeneinander gewährt werden (§ 7,1 VOGSV).

Sollte entgegen der Annahme der VOGSV eine Schülerin oder ein Schüler auch in der Sekundar-stufe II noch mas¬sive LRS-Probleme haben, so muss die Förderung privat erfolgen. Auch in dieser Stufe können die Eltern – bei Volljährigkeit die Schülerin oder der Schüler selbst – einen Antrag auf Nachteilsausgleich stellen. Das Beschlussgremium ist hier die Kursleiterkonferenz, einberufen durch den Tutor; ihr Votum wird über die Schulleitung dem Staatlichen Schulamt gemeldet, das einmalig zu Beginn der Sekundarstufe II über die Zulässigkeit des Nachteilsausgleichs entscheidet.
Ganz wichtig ist hier der Hinweis: Wird als Nachteilsausgleich eine ‚Abweichung von den allg. Grundsätzen der Leistungsbewertung‘ gewährt, also z. B. der Verzicht auf die Bewertung der Rechtschreibleistung, so erscheint ein Vermerk darüber nicht nur – wie bisher auch schon – in den laufenden Zeugnissen, sondern auch im Abiturzeugnis. Dies gilt es im Hinblick auf künftige Bewerbungssituationen besonders zu bedenken.
Darüber hinaus ist für Abschlussprüfungen eine ‚Abweichung von den allg. Grundsätzen der Leistungsbewertung‘ ausgeschlossen (§ 7,6 VOGSV; vgl. auch § 31,3 OAVO); d. h. vereinfacht: In Abiturprüfungen gibt es keine Befreiung von der Rechtschreibnote.

Mit seinem Konzept zur Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Lese-Rechtschreib-Problemen unterstützt das Franziskanergymnasium Kreuzburg das Ziel der staatlichen Verordnung: der lese- und schreibmündige Mensch, der den Herausforderungen von Studium, Ausbildung und Beruf gelassen ins Auge sehen kann.

Ansprechpartner: J. Schieb