Fastenimpuls 1 – „Die Werke der Barmherzigkeit für unsere Schule“ – Einem Menschen sagen: Du gehörst dazu
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Thema: Ausgrenzung, Mobbing,
Lied: „Suchen und Fragen“, Strophe 1.Geschichte:
Schule –
Die Klassentür geht auf. Tasha steht auf der Schwelle, leicht gebückt und schaut sich unauffällig um. Ihre Schultasche drückt auf den Schultern und das Frühstücksbrot, mit der fetten Salami liegt ihr im Magen. Die anderen Kinder toben. Es ist sehr laut.
Sie atmet tief durch. Ihre Augen mustern den Raum. Sie streift die Tafel, den Schrank mit den Büchern, den blonden Florian, der heute seine neue Jacke trägt, die Aida mit ihren schönen braunen Zöpfen. Ihr Platz ist leer. Für einen Moment hält sie inne und überlegt. Sie könnte noch mal aufs Klo gehen, denkt sie. Oder zum Kiosk. Sie würde später wiederkommen. Kurz nach dem Klingeln. Dann würde sie einfach sagen, sie hätte verschlafen.
Das wäre schon nicht so schlimm, denkt sie. Die Schmidtke würde das verstehen. Bestimmt. Die ist in Ordnung. Die schreit einen wenigstens nicht sofort an. Ihr Atem geht heftiger.
Unter den Achseln fängt sie an zu schwitzen. Sie sollte aufs Klo gehen, denkt sie. Oder nach Hause. Am besten gleich. Bevor die anderen sie bemerken. Lieber nicht so lange warten. Handeln. Sie will gehen.
„Wo willst’n du hin?“ Sie bleibt stehen. Der blonde Florian steht plötzlich vor ihr.
Einen Kopf größer. Sie erwidert nichts. Sieht ihn nicht an. Senkt ihren Kopf.
Ihr Gesicht ist ganz heiß.
Mist, denkt sie, jetzt bin ich in der Falle. Kann nicht mehr abhauen. Alles zu spät. Muss hier bleiben. Kann nicht mehr gehen. Sie setzt langsam einen Schritt nach vorne. Der Florian versperrt ihr den Weg. Sie schiebt sich an ihm vorbei. Die anderen Kinder gucken. Langsam geht sie auf ihren Platz zu. Mit gesenktem Kopf. Ihr Herz klopft. Die Aida stubst ihre Nachbarin an und kichert. Ein Junge bläst seine Backen auf und grunzt wie ein Schwein.
„Fette Sau!“ ruft er. Die anderen lachen.
Sie setzt sich auf ihren Platz. Ein paar Mädchen tuscheln. Der Junge vor ihr dreht sich plötzlich um und spuckt sein zerkautes Stück Brot auf ihren Tisch. „Hier, Walfisch, haste noch was zu fressen. Kriegst ja eh nie genug!“ Der Junge lacht. Die Aida wiehert vor Freude und hält sich den Bauch. Die anderen grölen. Tasha schaut nicht auf. Ihr Kopf hämmert. Aber sie schaut nicht auf. Bleibt sitzen und starrt auf den Tisch. Starrt auf das rotzige Stück Brot. Sagt nichts. Starrt nur. In ihrem Hals ein dicker Kloß. Sie könnte heulen.
Es klingelt. Ihr Gesicht ist dunkelrot. Ihr Kopf pocht unaufhörlich. Vor ihren Augen ein Schleier. Sie möchte heulen. Nur noch heulen. Sie schämt sich so sehr. Die Lehrerin betritt die Klasse. Die Kinder hören auf zu lachen. Sehen nach vorne. Nicht mehr zu Tasha. Als wäre nichts geschehen. Die Lehrerin blickt in die Runde. Für einen Moment ruht ihr Blick auf Tashas rotem Gesicht. Tasha senkt ihren Kopf. Sie schämt sich so sehr. Die Lehrerin setzt sich. Sagt nichts. Schlägt ihr Buch auf. Als wäre nichts geschehen.
Tasha starrt auf den Tisch. Starrt auf das rotzige Brot. Ein paar Tränen kullern ihre heiße Wangen hinab. Fünfundvierzig Minuten Ruhe, denkt sie. Zeit zum Heulen, denkt sie. In der Pause haut sie hier ab. Vielleicht kommt sie morgen wieder. Vielleicht wird alles anders.
Tasha weint.
(gekürzte Fassung: Julia Russau; internet: e-stories.de)
Gedanken
Es muss nicht so schlimm sein wie wir in der Geschichte gehört haben. Aber manchmal ist es eben doch so schlimm, und wir bekommen das nicht mit. Was unser Zusammenleben manchmal so kalt und so unbarmherzig macht ist dieses Wegschauen oder auch dieses bewusste Anpöbeln, jemanden angreifen und ihn oder sie zur Zielscheibe von Spott machen. Das grenzt Menschen aus. Und weil ich selber nicht zum Außenseiter werden möchte, meide ich die Außenseiter. Ich fürchte, ich könnte ja selbst zum Ziel von Spott werden. Wahrscheinlich ist es genau das, was den anderen die andere zum Außenseiter macht. Meine Angst lässt ihn oder sie alleine. Der andere oder die andere aber wird damit ausgegrenzt, macht sie oder ihn einsam und manchmal auch krank – auch in unseren Klassen, TGs, im Kollegium – in unserer Schule.
ImpulsWir kennen sicher auch Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen oder alleine sind. Sie sind vielleicht anders. Sie geben oder kleiden sich anders. Sie reagieren anders als die meisten. Oft wissen wir aber nicht, warum. Das macht uns unsicher und auch ängstlich.
Lasst uns versuchen, in dieser Woche aufeinander zuzugehen! Die Alleingelassenen brauchen jemanden, der oder die sagt: „Du gehörst dazu!“ Und wer sich alleine fühlt, möge den Mut haben, dies anzusprechen: bei der Klassensprecherin oder dem Klassensprecher, bei der Patin oder dem Paten, bei einem Lehrer oder einer Lehrerin. Sei gewiss: Du gehörst dazu!
Gebet
Du guter Geist Gottes,
weil wir Räume öffnen wollen,
in denen Menschen in ihrer bunten Vielfalt
herzlich willkommen sind; –
Damit uns das Mitteilen von Erfahrungen gelingt
und neue Ideen entstehen,
bitten wir um Deinen Geist:
Wirke in uns, Du Geist der Freiheit.
(Bernhard Krause)
Segen
Es segne uns in dieser Woche der Gott,
der alle liebt:
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist

