Fastenimpuls für Montag, den 03. April 2017
Spoleto – meine Träume –
Lied: „Ein neuer Tag beginnt“
Aus dem Franziskusleben
„Franziskus!“ Der Ruf der Mutter schallte durch das ganze Haus. Als sie keine Antwort bekam, suchte sie weiter. Schließlich fand sie ihn im Schlafzimmer. Er lag auf dem Bett und starrte mit offenen Augen an die Decke.
„Franziskus, du Träumer!“, rief die Mutter. Sie war erleichtert, ihn so schnell gefunden zu haben. In den letzten Tagen versteckte er sich öfter. Manchmal musste sie lange nach ihm suchen.
„Der Junge hat in letzter Zeit viel durchmachen müssen“, dachte die Mutter. Viel Leidvolles und Unverständliches war passiert. Sie verstand vieles davon nicht. Auch nicht, warum Franziskus mit seinen Freunden in den Krieg gegen Perugia, der Nachbarstadt, ziehen wollte. Er wollte Ritter werden. Das war sein Traum. Ja, davon wusste sie. Perugia war aber viel größer und stärker als Assisi. Franziskus und viele seiner Freunde wurden gefangen genommen, einige sogar getötet. Ein Jahr lang hatte Franziskus in einem dunklen kalten Gefängnis gesessen. Dann gelang es seinem Vater, ihn gegen ein Lösegeld freizukaufen.
Danach war Franziskus lange krank. Er zog sich zurück. Nur ganz allmählich hatte er sich wieder erholt.
Irgendwann begann Franziskus erneut zu träumen. In die weite Welt wollte er hinausziehen und Ruhm und Ehre gewinnen. Sein Vater kaufte ihm eine prächtige Ritterrüstung und ein Pferd. Dann zog Franziskus los. Ganz Assisi war auf den Beinen, als er sich auf den Weg machte. Doch Franziskus ritt nur einen Tag bis zur Stadt Spoleto, so erzählte er seiner Mutter später. Am Abend habe er sich schlafen gelegt. Da hörte er eine Stimme, die ihn fragte: „Franziskus, was hast Du vor?“
„Ich ziehe in den Krieg“, gab Franziskus zur Antwort.
Die Stimme fragte: „Wem willst du eigentlich dienen – dem Herrn oder dem Knecht!“
Franziskus antworte: „Dem Herrn natürlich!“
Darauf die Stimme: „Warum dienst du dann dem Knecht?“
Die Stimme habe ihn dann aufgefordert, nach Assisi zurückzukehren und dort abzuwarten, was passieren würde.
Die Mutter konnte nicht verstehen, warum Franziskus den Traum so ernst nahm. Sie träumte auch ab und zu. Aber sie wäre nie auf die Idee gekommen, das zu tun, was sie im Traum erlebte. Die meisten Träume vergaß sie sowieso ganz schnell.
Aber ihr Sohn nahm den Traum ernst. Seitdem aber hatte sich die Stimme nicht mehr gemeldet. Ihr Sohn wurde immer stiller. Franziskus hatte sich verändert. Auch die Mutter hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Sie spürte nur, dass ein großes Geheimnis Franziskus umgab.
(nach: Franz Josef Kröger: Franziskus. Kevelar.2001)
Gedanken
Auch in der Bibel gibt es immer viele Träumer: die beiden Josefs im Alten und Neuen Testament, Jakob, Elija und andere. In den Träumen, sagen uns die Therapeuten heute, spricht das Innere zu den Menschen. Glaubende drücken es so aus: „In den Träumen spricht GOTT zu uns!“ Wir Menschen reagieren unterschiedlich auf unsere Träume.
Franziskus lässt sich von seinen Träumen ansprechen. Der Traum von Spoleto war ihm allerdings keine Antwort auf seine Lebensfrage. Doch der Traum ließ ihn aufhorchen. Er traute dieser inneren Stimme und damit seinem Herzen, selbst als die anderen darüber lachten.
Auch wir träumen ganz oft und manchmal sehr konkret. Ich glaube, Gott spricht auch in unseren Träumen zu uns!
Impuls
Haben wir heute Nacht auch geträumt? Und können wir uns an die Träume erinnern?
Es macht Spaß, sich einander die Träume zu erzählen. Manchmal kommen einem beim Erzählen sogar Ideen, was die Träume für unser konkretes Handeln bedeuten könnten. Hin und wieder haben sie Botschaften für uns, die uns motivieren oder ebenso warnen wollen.
Wir könnten in dieser Woche ein Traumtagebuch führen. Vielleicht erkennen wir eine Botschaft GOTTES für uns darin.
Gebet
Herr, ich komme zu dir,
dass deine Berührung mich segne,
ehe ich meinen Tag beginne.
Herr, lass deine Augen eine Weile ruhen auf meinen Augen.
Herr, lass mich das Wissen um deine Freundschaft mitnehmen in diesen Tag.
Herr, fülle meine Seele mit deiner Musik,
mit deinem Frieden, mit deiner Freude,
Herr, begleite mich durch die Anspannungen dieses Tages,
lass den Sonnenschein deiner Liebe
die Gipfel meiner Gedanken küssen.
Herr, segne mich,
damit im Tal meiner Mühen die Ernte reif wird.
nach Rabindranath Tagore

