Fastenimpuls für Montag, den 10. April 2017
Caceri – meine Stille –
Lied: „Zeit für Stille“ –
Aus dem Franziskusleben –
Franziskus hatte sich aus dem Geschäft seines Vaters zurückgezogen. Er wollte nicht mehr Tuchhändler sein oder Ritter werden. Er hatte sein altes Leben zurückgelassen, alles aufgegeben. Jetzt lebte er mit einigen jungen Männern in einer Art Gemeinschaft zusammen. Sie zogen durch die Städte, arbeiteten mit den Menschen und erzählten von der Liebe Gottes. Die Leute mochten die Brüder. Wenn Franziskus irgendwo auftauchte, liefen die Menschen zusamm. Sie wollten ihn hören und erleben.
„Das wird mir langsam zu viel“, dachte sich Franziskus eines Tages. „Ich wollte ganz für Gott da sein. Aber die Leute lassen mir keine Ruhe. Ich kann meine Gedanken kaum noch sammeln. Ich komme kaum noch zum Beten. Manchmal fühle ich mich ganz leer. Dann spüre ich auch Gott kaum noch.“
Seine gute Freundin Klara lebte mit ihren Schwestern im kleinen Kloster San Damiano. Dorthin kamen zwar auch die Menschen. Doch die Schwestern hatten feste Gebetszeiten. Sie hatten Zeit für Gott. Es schien Franziskus so viel verlockender, sich ganz dem Gebet hinzugeben, als immer auf der Straße unterwegs zu sein.
„Soll ich weiterhin durch die Gegend ziehen? Oder soll ich mich ganz der Stille und dem Gebt hingeben?“, fragte Franziskus sich. Er wollte die Entscheidung aber nicht alleine treffen. Darum schickte er einen Boten zu Schwester Klara und zu Bruder Silvester mit der Bitte: „Betet für mich und gebt mir dann einen Rat. Soll ich weiter predigen oder lieber in eine Einsiedelei gehen?“
Der Bruder überbrachte die Bitte an Klara und Silvester. Diese zogen sich zum Gebet zurück. Am folgenden Tag hatten beide die gleiche Antwort für Franziskus: „Bruder Franziskus, du bist nicht um deinetwillen berufen. Verkünde du das Evangelium! Du bist ein Engel, der sich die Füße im Staub der Erde schmutzig machen soll!“
Als Franziskus die Antwort der beiden hörte, kniete er nieder, dankte Gott und sprach. „Gerne, Herr, will ich es tun!“
(B.M.)
Gedanken
Franziskus war viel unterwegs. Er wanderte durch ganz Mittelitalien und reiste sogar bis ins Heilige Land. Er begegnete vielen Menschen. Aber er wusste auch, dass er das Gebet brauchte. So zog er sich immer wieder in sog. Einsiedeleien zurück. Er suchte sich ruhige Plätze und Orte, um dort ganz für sich zu sein – so wie er es von Jesus gelesen hatte. Ein solcher Ort ist die Einsiedelei „Carceri“ ganz in der Nähe von Assisi. Dort konnte er seine Gedanken und Gefühle ordnen: Dort konzentrierte er sich ganz auf Gott. Oft kam er gestärkt und mit neuen Gedanken aus den Zeiten der Stille und des Gebetes zurück.
Impuls
Fast jeder Tag ist übervoll von Worten, Bildern, Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen. Wir können sie unmöglich alle fassen. Vieles vergessen wir auch ganz schnell wieder. Dennoch tut es gut, sich abends wenigstens ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um den Tag anzuschauen. Dabei kann mich die Frage leiten: „Für welchen Augenblick oder Moment lohnte es sich, heute aufzustehen. Was war der Lichtstrahl des vergangenen Tages?“ Ist der Moment gefunden, können wir Gott dafür danken! Wir können uns dann auf den neuen Tag freuen.
Ein Abend-Gebet
Gott,
du allein weißt,
was dieser Tag wert war.
Ich habe vieles getan
und vieles versäumt.
Ich habe vieles versucht
und vieles nicht vollendet.
Ich bin den Meinen
viel Liebe schuldig geblieben.
Ob dieser Tag
seinen Ertrag brachte,
weiß ich nicht.
Du allein siehst es.
Ich lege ihn in deine Hand.
Ich bin umgeben von Nacht.
Aber ich weiß,
dass ein Morgen kommt
und die Sonne aufgeht:
deine Liebe
und dein Licht.
(Jörg Zink: wie wir beten können. Berlin 1973)

