Fastenzeit 2015 – Das Kreuzbild von San Damiano 2 – Impulse durch die Jahrhunderte
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Die Augen – schauen und angeschaut.
Christus auf dem Kreuzbild von San Damiano hat weit geöffnete Augen. An anderen Kreuzen sind Jesu Augen manchmal geschlossen, weil am Kreuz der tote Jesus hängt. Auf diesem Kreuz aber ist es der lebendige Jesus – nach der Auferstehung.
Franziskus kam zu diesem Kreuz in einer Situation, in der er niemandem in die Augen blicken konnte und wollte. Er hat seinen Vater enttäuscht, weil er im Krieg versagt und keine Karriere gemacht hat. Er will auch nicht mehr im Geschäft mitarbeiten. Seinen Freunden geht er aus dem Wege, weil er vorher so große Töne gespuckt hat. Die Leute in der Stadt meidet er aus, weil sie auf ihn mitleidig oder spöttisch herabschauen. Franziskus scheut jeden Blick. Doch er hat Sehnsucht nach liebevollen Augen, nach jemandem, der ihn versteht. Diesen Blick findet er in der Kirche San Damiano. Plötzlich hat er das Gefühl, Jesus schaut ihn freundlich an. Vor ihm braucht er die Augen nicht niederzuschlagen. Dieser Augenblick ist wichtig. In diesem Blick spürt er, dass er leben kann.
Übertragung:
Manchmal haben auch wir das Gefühl, dass wir niemandem in die Augen blicken wollen. Wir schämen uns, weil wir nicht so toll sind, wie andere. Wir meinen, unsere Leistungen sind nicht gut genug, um mit erhobenem Haupt durch die Schule zu gehen. Wir haben ein schlechtes Gewissen, weil wir irgendeinen Fehler gemacht oder gar gelogen haben. Manchmal setzen wir dann auch eine Maske auf und verstecken unser wahres Gesicht, damit man uns nicht ansehen kann.
Wie wichtig ist es dann, eine Freundin oder einen Freund zu haben, die oder der mich anschaut – ohne Vorwurf. Dann kann ich aufblicken und weiß, sie oder er mag mich, obwohl ich so bin, wie ich bin.
Ich glaube, genauso liebevoll schaut Gott uns an, wie auf dem Kreuz. Vielleicht kann ich lernen, mit den Augen Gottes zu sehen.
Übung der Woche
Ich suche mir eine vertraute Person. Wir setzen uns für ein paar Minuten in aller Ruhe gegenüber und schauen uns einander an. Wir können die Übung auch teilen. Erst schließt mein Freund, meine Freundin die Augen und ich schaue sie oder ihn an. Dann schließe ich die Augen und lasse mich anschauen. Zuletzt schauen wir einander an und sehen uns in den Augen des anderen. Das ist vielleicht zuerst komisch. Aber es kann auch ein tiefes Gefühl von Verstehen und Vertrauen schaffen.
Gebet:
Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
sichere Hoffnung
und vollkommene Liebe.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften
Auftrag erfülle.
Amen
