Fastenzeit 2015 – Das Kreuzbild von San Damiano 3 – Impulse durch die Jahrhunderte
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Die Hände – halten und gehalten.
Vielleicht können wir uns noch daran erinnern, wenn wir als kleine Kinder auf die Eltern zu gelaufen sind. Vielleicht haben wir erst vor kurzem die Erfahrung gemacht, einen lieben Menschen wiederzusehen und auf ihn zuzurennen. Der andere und ich selbst haben die Arme ausgebreitet. Das Gegenüber hat sich ganz weit gemacht. Wir begegnen uns offen. Dann schließen sich die Arme um uns. Wir sind geborgen. Wie schlimm ist es, wenn stattdessen die Arme vor der Brust verschlossen bleiben. Wenn sich Hände gegen eine Berührung wehren oder gar zur Faust geballt werden.
Franziskus begegnet diesem Kreuz, als er selbst ganz verschlossen ist. Seine Eltern können ihm nichts mehr sagen. Er will nichts von ihnen hören, keine Ratschläge von ihnen annehmen. Seine Freunde verstehen ihn nicht mehr. Er ist so anders, nachdem er aus dem Krieg zurückkam. Er redet seltsame Sachen und feiert nicht mehr. Franziskus hat ja selber keinen Zugang mehr zu sich. Sein Herz ist eng geworden. Nichts und niemand erreicht ihn. Er ist einsam.
Doch nun steht er vor diesem Kreuz. Jesus hat die Arme weit ausgebreitet. Er lädt ihn ein, zu ihm zu kommen. Jesus sagt ihm in dieser Geste: „Ich warte auf dich. Wenn du willst, dann komm!“ Franziskus nimmt diese Einladung an.
Übertragung
Es gibt solche Zeiten, da möchten wir uns einigeln, verstecken, kleinmachen und mit niemanden etwas zu tun haben. Wir wollen in unserer kleinen Welt bleiben. Aber dann fühlen wir uns doch isoliert und einsam. Wir wünschen uns, dass dann jemand kommt und uns aus unserem inneren Gefängnis herausholt.
Ich glaube, jeder von uns hat wenigstens einen Menschen, der mit offenen Armen auf uns wartet. Nicht immer kommt jemand auf uns zu. Aber irgendwo wartet jemand: eine Freundin, ein Freund, Geschwister, die Eltern. Wenn wir dann den Mut haben, aufzubrechen, die Arme zu öffnen, dann können wir aufeinander zulaufen, uns begegnen und gar in die Arme nehmen. Wir spüren, dass wir einander halten können. Dazu braucht es die bewusste Entscheidung, die Arme auszustrecken und die eigenen Panzer aufzubrechen.
Übung der Woche
a. Ich probiere für mich alleine eine Haltung aus. Ich stelle mich aufrecht. Ich verschränke die Arme und halte das aus. Dann öffne ich ganz langsam die Arme. Ich breite sie aus. Mein Brustraum wird ganz weit. Ich atme tief ein und aus. Das kann auch eine Übung beim Morgengebet in der ersten Stunde sein.
b. Ich suche mir eine vertraute Person. Wir stellen uns gegenüber und kommen uns langsam immer näher. Wir spüren, wie es ist, Distanz zu überwinden. Eventuell trauen wir uns, einander die Hand zu geben und sie einen Zeitlang festzuhalten. Vielleicht kennen wir uns ja so gut, dass wir einander auch mal in den Arm nehmen können.
Das kann auch mal ein Morgengebet sein.
Gebet:
Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
sichere Hoffnung
und vollkommene Liebe.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften
Auftrag erfülle.
Amen
