Fastenzeit 2015 – Das Kreuzbild von San Damiano 4 – Impulse durch die Jahrhunderte
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Die Füße – einen Standpunkt haben und gehen können.
Oft sehen wir an den Kreuzen, wie Jesus an den Händen und Füßen festgenagelt an den Balken hängt. Auf dem Kreuzbild von San Damiano ist es anders. Die Füße stehen auf einem dunklen Grund. Sie sind zwar verwundet und bluten. Aber sie sind frei und werden nicht an das Kreuz gefesselt. Die Füße haben einen sicheren Standpunkt. Es wäre sogar möglich, loszugehen, wenn es nötig wäre. Diese Füße können warten oder auf die anderen Menschen zugehen.
Franziskus sieht dieses Kreuz, als er seinen Stand im Leben verloren hatte. Er hatte seine Träume vom Rittertum, von Karriere und einem bunten und sorgenfreien Leben. Sein Lebensort war für ihn bestimmt. Doch nach dem Krieg war das alles weggebrochen. Seitdem ist er ruhelos und bodenlos. Er reitet durch die Gegend. Er ist orientierungslos. Niemand ist bei ihm. Niemand will und kann mit ihm gehen. Er läuft und läuft und kommt doch nicht an. Er weiß nicht, wohin er gehen soll.
Doch dann führt ihn sein suchender Weg in die Kirche von San Damiano. Dort steht Jesus aufrecht, einladend und voller Konzentration. Jesus hat seinen Stand gefunden. Das lässt auch Franziskus anhalten. Er hält still und findet mit Jesus einen neuen Standort im Leben. So kann er neu losgehen. Allerdings geht er nun nicht mehr alleine. Er hat das Gefühl, dass Gott von nun an immer bei ihm ist, mit ihm geht und ihn sogar dann trägt, wenn es nötig ist.
Übertragung
Es gibt solche Zeiten, in denen wir unruhig sind. Wir rennen von einem zum anderen. Wir spüren dabei, dass wir doch nicht ans Ziel kommen, weil wir vielleicht sogar vor lauter Rennen das Ziel vor den Augen verloren haben. Wir funktionieren und kommen nicht wirklich voran. Wir fühlen uns festgenagelt an Aufgaben und Erwartungen. Dann werden wir nervös, traurig oder aggressiv. Wir Menschen brauchen aber immer wieder Zeit, um uns neu auszurichten. Wir brauchen Augenblicke des Rastens, um dann wieder neu ausgerichtet, loslaufen zu können – alleine oder miteinander.
Übung der Woche:
a. Ich nehme mir am Morgen ein paar Minuten Zeit, um mich in aller Ruhe auf den Tag einzustellen. Ich überlege, was heute zu tun ist, wem ich begegnen werde und wie ich das tun möchte. Ich kann Gott bitten, mit mir zu gehen. So kann ich vorbereitet und ausgerichtet aufbrechen.
b. Ich suche mir eine vertraute Person. Wir vereinbaren einen Termin, an dem wir gemeinsam ein Stück spazieren gehen. Wir machen uns aus, nicht über die Schule oder den Alltag zu reden, sondern einander zu erzählen, wie es uns gerade geht.
Gebet:
Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
sichere Hoffnung
und vollkommene Liebe.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften
Auftrag erfülle.
Amen
