Fastenzeit 2015 – Das Kreuzbild von San Damiano 5 – Impulse durch die Jahrhunderte
Comment are off
Die Menschen – zusammen sein.
Ganz anders als auf anderen Kreuzen steht Jesus auf dem Kreuzbild von San Damiano nicht alleine. Um ihn herum tummeln sich Menschen und Engeln. Unter seinen Armen, neben seinem Oberkörper, neben seinen Beinen, über seinem Kopf und unter seinen Füßen sind sie versammelt. Sie stehen aber nicht einfach schweigend dort.
Sie sind alle miteinander im Gespräch. Könnten wir das Kreuz hören, dann wäre ein Flüstern und Tuscheln. Da wird miteinander gesprochen, nicht geschwiegen oder gebrüllt. Die Menschen sind miteinander in Kontakt, sich haben einander zugewendet.
Franziskus wusste als Jugendlicher zu feiern. Er zog mit seinen Freunden durch die Gassen von Assisi, grölte Lieder. Er kannte die Spott- und Liebeslieder der Gaukler. Er dichtete gewiss auch selber. Er war gerne im Mittelpunkt und oft Gesprächsstoff für die Leute. Seine Freunde und er waren bisweilen eine Zumutung für die anderen.
Jetzt tuscheln die Leute wieder über ihn. Nachdem er krank aus der Gefangenschaft kam, ist er seltsam geworden. Franziskus selbst geht den Gesprächen aus dem Wege. Was soll er auch sagen? Niemand scheint ihm helfen zu können. Er will alleine sein.
Jetzt aber sieht er das Kreuz. Im Laufe der Jahre, in denen er immer wieder vor dem Kreuz beten wird, wird er die vielen Menschen dort sehen. Er wird begreifen, dass er nur mit anderen zusammen leben und glauben kann. Gott wird ihm in den anderen begegnen. Er findet Brüder und Schwestern, mit denen er das Leben und den Glauben teilt. Immer wieder reden sie miteinander und suchen zusammen nach Lösungen für Probleme. Er spürt immer deutlicher, dass Leben und Glauben nur gemeinsam geht. Dazu gehört eben auch, im Gespräch zu bleiben.
Übertragung:
Manchmal haben wir keine Lust mehr, mit anderen zusammen zu planen, sich auszutauschen.
Sie nerven. Wir streiten. Wir schweigen uns an. Wir finden keine Worte füreinander oder es sind böse Worte. Wir reden einander vorbei. Wir reden oft übereinander und nicht miteinander. Wir haben dann keine Lust mehr auf den anderen. Wenn der Dialog und das Gespräch abbrechen, zerbrechen Beziehungen, Freund- und Klassengemeinschaften. Wer aber immer wieder miteinander spricht, ringt, zusammen nach Lösungen sucht, wird den Zusammenhalt stärken. Dazu ist es nötig, auch wirklich zuzuhören, wenn andere etwas sagen. Nur im Zuhören und miteinander sprechen kann etwas wachsen. Für Franziskus ist auch das Gebet ein wirkliches Gespräch. Er pflegt es alleine und mit anderen.
Übung der Woche:
In dieser Woche versuche ganz bewusst aufmerksam zuzuhören, wenn andere etwas sagen. Ich versuche, freundlich mit den Menschen zu sprechen. Ich lasse mich auf das „Abenteuer“ ein, bis zum Ende der Woche mit jedem und jeder aus der Klasse oder der TG ein kurzes, freundliches Gespräch geführt zu haben.
Gebet:
Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
sichere Hoffnung
und vollkommene Liebe.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften
Auftrag erfülle.
Amen
