Faust im Zeichen von Fast Fashion – Deutschkurse Jgst. 12, besuchen Theater in Frankfurt
Am 15. April begab sich der Leistungskurs Deutsch von Herrn Esche, ergänzt durch einige Grundkursteilnehmende aus den Kursen von Frau Kondziella und Frau Röll, erneut auf eine spannende Exkursion nach Frankfurt. Das letzte Mal besuchte die 12. Jahrgangsstufe das Romantik-Museum, wobei unter anderem ein kleiner Einstieg in Goethes Werk „Faust“ gegeben wurde. Diesmal besuchte der Leistungskurs die Mainmetropole, um sich das Theaterstück „Faust der Tragödie erster Teil“ in Aktion anzusehen , nämlich durch die Inszenierung des Katakomben-Theaters Frankfurt. Das Stück zeigt die bekannte Handlung: Faust verspricht Mephisto seine Seele, wenn dieser es schafft, ihn aus seiner Sinnkrise zu befreien. Hierfür begeben sich beide auf eine erlebnisreiche Reise, wobei Faust schließlich auf Gretchen trifft, einem jungen Mädchen, das er mit Hilfe von Mephisto durch Schmuck und Status verführt. Letztendlich führt die Bekanntschaft zu Gretchens Schwangerschaft, Kindsmord und weiterem unaufhaltsamen Unheil.
Diese Tragödie wurde vor dem Hintergrund der momentanen Fast Fashion-Krise neu aufbereitet. Wofür verwetten Menschen heutzutage ihre Seele? Die Antwort des Theaters: für eine Lösung der Gleichung, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, oder am Ende doch nur ein billiges Kleidungsstück mit niedriger Qualität! Die Inszenierung beleuchtet den Trieb der Menschen nach Geld, Konsum, Rausch, Macht und Likes in den sozialen Medien und belegt somit gleichzeitig die Zeitlosigkeit von Goethes Werk. Faust, hier als Modedesigner der Großstadt dargestellt, geht den Pakt mit Mephisto ein, um seiner Karriere neuen Aufschwung zu geben und besucht Vernissagen und sogar eine Drogenküche. Er lässt seine Moral zurück, unterwirft sich den Marktbedingungen und produziert Fast Fashion für seinen Erfolg. In der Walpurgisnacht werden die Kapitalerfolge gefeiert, doch die angerichteten Katastrophen werden außen vor gelassen – eine Gesellschaft, die sich auf Erfolg bzw. Konsum fokussiert und nicht an die Konsequenzen denkt.
Durch die zuvor im Unterricht ausführliche Analyse der einzelnen Auftritte konnte jeder dem Stück einwandfrei Folgen und die Inszenierungsabsichten mit den im Unterricht behandelten Elementen in Beziehung setzen. Denn ohne diese wären ein aufgepusteter Luftballonhund oder Gretchen, die in einem Berg von Fast Fashion-Kleidung im Kerker festsitzt, eher befremdlich. Besonders gefallen hat uns die humorvolle und kreative Gestaltung. Die Schauspielenden haben mit ihrer Hingabe für die Rolle das Publikum voll und ganz überzeugen können.
Alles in allem war es also ein erfolgreicher Ausflug, der den Klassiker aus einer modernen Sicht mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen verbindet.

