Kein Tschüss, sondern ein: Bis bald, Freundinnen und Freunde!
Ashot Hakobyan, Mitglied der Brasilienaustauschgruppe 2023/24 und Teilnehmer des Gegenbesuchs der elfköpfigen deutschen Gruppe in diesem Sommer, berichtet:
Wahrscheinlich kann man sagen, dass wir vor einem Jahr die beste Entscheidung unseres bisherigen Lebens getroffen haben, denn die fünf Wochen in Brasilien waren eine spannende und erstaunliche Zeit für uns! Nach 12 Stunden Flug von Frankfurt nach São Paulo wurden wir am 12.08. erst einmal von unseren Familien abgeholt und verabschiedeten uns von den anderen deutschen Gruppenmitgliedern. Da es in Brasilien die Zeit der Winterferien war, hatten die brasilianischen Familien für uns schon sehr schöne Urlaubsziele ausgesucht. Man muss sagen, dass der Winter in Brasilien sehr warm ist, sodass die Durchschnittstemperatur oft zwischen 25-30 Grad beträgt. Manche sind ganz weit in den Norden gereist, wo es viel wärmer als in São Paulo war, z.B. nach Jericoacoara im Bundesstaat Céara. Da Brasilien ein riesiges Land ist, ca. 30-mal größer als Deutschland, muss man manchmal auch vier Stunden bis zu seinem gewünschten Reiseziel fliegen. Fast alle aus unserer Gruppe waren mit ihren Familien auch in Rio de Janeiro und haben dort die Strände, die Christusstatue, den Zuckerhut und tolle Sehenswürdigkeiten besichtigt.
Nach fast 2,5 Wochen Urlaub begannen dann die Gruppenreisen für uns deutsche Schülerinnen und Schüler. Wir sind mit unserer Lehrerin, Frau Fritsche, nach Bonito geflogen und haben Teile des Pantanals, des größten tropischen Sumpfgebiets der Erde, besichtigt. Auf einer Safari-Tour bestaunten wir – natürlich mit Sicherheitsabstand – Schlangen, Affen, Strauße, Krokodile, Capivaras und vieles mehr. An einem Tag haben wir während einer idyllischen Floßfahrt auch Piranhas geangelt. An zwei Tagen schnorchelten wir in kristallklaren Flüssen und hatten Kontakt zu faszinierenden Fischen. Eine Woche später flogen wir dann auf unserer zweiten Gruppenreise nach Salvador im Bundesstaat Bahia. Auf einer Stadttour lernten wir einiges über die Geschichte dieser Stadt des einstigen Sklavenhandels und sahen zum Beispiel den Ort, an dem Michael Jackson sein Musikvideo „They don‘t care about us“ gedreht hat. Danach konnten wir in Praia do Forte vor allem Strandleben genießen und sahen dort auch tartarugas, Riesenschildkröten. In Praia do Forte trafen wir an einem Tag unsere ehemalige Lehrerin, Frau Weiser, da sie dort ein Haus besitzt und in den Ferien oft da ist.
In der letzten Woche begleiteten wir unsere Austauschpartner und -partnerinnen in ihrem Schulalltag. Wir waren mit ihnen im Unterricht, erhielten aber auch Führungen durch die Schule. Von der Spaltung des Landes in Arm und Reich bekamen wir z.B. durch die Besuche in zwei Sozialprojekten einiges mit, in einer Schule für Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien der an das Colégio Porto Seguro angrenzenden Favela (Elendsviertel) und in dem Projekt „Santa Fé“, in dem alleinerziehende junge Mütter leben. Hierhin gingen auch Spenden aus unseren Familien. In diesen 5 Wochen ist die Freundschaft mit den Familien und ganz besonders mit dem Austauschpartner bzw. der Austauschpartnerin sehr gestärkt worden. Die Brasilianerinnen und Brasilianer hatten zudem – auch durch ihren Besuch vor rund 8 Monaten bei uns – noch die Möglichkeit, ihr Deutsch zu verbessern und wir konnten ihnen einige Eindrücke aus unserem deutschen Leben vermitteln. Es war echt schön, dass sich jeder gut mit seinem Austauschpartner verstanden hat und dass die Familien uns sehr warm und mit offenen Armen und Herzen willkommen geheißen haben, sodass man sich wirklich als ein Teil der Familie gefühlt hat. In diesen fünf Wochen haben wir sehr vieles gesehen und gelernt, wie z.B. auch etwas Portugiesisch, aber am dankbarsten sind wir dafür, dass wir die Gelegenheit hatten, diese schöne und sehr besondere Zeit erleben zu dürfen. Der Abschied fiel natürlich überhaupt nicht leicht, sodass viele am Flughafen sehr traurig waren. Wir sind uns aber sicher, dass der Kontakt noch lange anhalten wird. Bruno, einer unserer brasilianischen Partner, sprach es in der großen tränenreichen Abschiedsrunde am Flughafen aus: „Leute, das hier ist kein `Tschüss`, das hier ist ein `Bis bald`!“

