So war die DDR – Mythos und Wirklichkeit…zwei gelungene Projekttage an der Kreuzburg
„Besonders beeindruckend ist die außergewöhnliche Möglichkeit, mehrere Gespräche mit Zeitzeugen zu führen. Man bekommt dabei einen Einblick in die damaligen Lebenswelt zur Zeit der DDR sowie ganz persönliche, spannende Geschichten von einzelnen Akteuren zu hören. Unglaublich private, schreckenerregende, aber auch faszinierende Erzählungen bringen einem zum Nachdenken und Staunen.“ (Schülerin der 13. Klasse)
Am 22. und 23. Januar 2025 fanden an der Kreuzburg zwei spannende Projekttage in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung für den gesamten Jahrgang 13 statt.
Gemeinsam mit fünf Zeitzeugen verbrachten die Schülerinnen und Schüler der Grundkurse sowie des Leistungskurses begleitet durch ihre Geschichtslehrkräfte den Tag.
So berichtete Birgit Schlicke über Repressionen und den Haftbedingungen politisch Gefangener. Sie wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten wegen „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“ verurteilt. Besonders packend waren die Berichte von Dr. Burkhart Veigel über seine Zeit als Fluchthelfer. Er grub unter anderem Tunnel und baute verschiedene Autos zu Fluchtfahrzeugen um. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beobachtete die Vorgänge um Veigel genau und versuchte, ihn zu entführen. Unzensierte Fotos aus der Endzeit der DDR präsentierte Dietmar Riemann sehr eindrücklich. Klaus-Jürgen Wetz berichtete, wie sich eine Klassenfahrt in die DDR angefühlt hat und Roman Grafe sprach in intensiven Gesprächen über das Thema „Anpassen oder Widerstehen in der DDR“ sowie über seine Erlebnisse als Jugendlicher.
Alle Zeitzeugen waren sehr beeindruckt von diesem Tag und dem großen Interesse der Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums. Die tiefgründigen Fragen haben bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen kam hier sehr gut zum Vorschein.
Am nächsten Tag ging es dann zum Point Alpha. Einst standen sich hier die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt Auge in Auge gegenüber. Vieles spricht dafür, dass ein Dritter Weltkrieg hier hätte beginnen können. Die historische Bedeutung von „Point Alpha“ ist immens und seine geografische Lage macht diesen Ort zu einem der „heißen“ Orte des Kalten Krieges. Diesen geschichtsträchtigen Ort real zu erleben, ist etwas Besonderes.
„Der Ausflug zum Point Alpha war ebenfalls sehr spannend. Es war besonders eindrucksvoll, Geschichte nicht nur theoretisch zu hören, sondern sie vor Ort praktisch zu erleben.“ (Schülerin der 13. Klasse)
Point Alpha war ein ehemaliger US-amerikanischer Beobachtungspunkt an der innerdeutschen Grenze Hessens zu Thüringen bzw. der DDR; es handelte sich nicht um einen Grenzübergang. Zum einen erlebten die Schülerinnen und Schüler geschichtliche Ereignisse im Zusammenhang mit der Grenze seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und die Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen. Zum anderen bietet die heutige Erinnerungs- und Gedenkstätte einen authentischen Ort für Zeitzeugenarbeit sowohl mit betroffenen Deutschen als auch mit ehemalig dort stationierten US-Soldaten.
„Die Grenzwanderung und das Museum mit Führung waren sehr spannend, allerdings hätte ich mir noch gewünscht, nochmal Zeit für ein eigenständiges Durchlesen und Erkunden des Museums zu bekommen. Besonders bleibt mir die Geschichte von zwei Jungen im Kopf, die flüchten wollten, wobei einer es verletzt über den ersten Zaun geschafft hat. Er wurde für tot gehalten und am nächsten Tag abtransportiert, allerdings hat sich rausgestellt, dass er überlebt hat, als er das Haus auf der Grenze Jahre später besucht hat.“ (Schülerin der 13. Klasse)
„Durch die Projekttage kann ich mir nun besser vorstellen, wie es gewesen sein muss, in der DDR zu leben oder aus dieser zu fliehen. Ein Zitat ist bei mir besonders hängen geblieben: ‚Man weiß erst was Freiheit bedeutet, wenn man mal Unfreiheit erlebt hat.’“ (Schülerin der 13. Klasse)
Karin Hofmann, Organisatorin und Fachbereichsleiterin für den Bereich der Gesellschaftswissenschaften

