Tag der Netzwerkkultur
Kinder und Jugendliche bei Facebook, Whatsapp und Skype: was geht Schule das an?
Dienstagmorgen, der Wecker klingelt, Lisa greift nach ihrem Handy und schreibt ein „Guten Morgen“ an ihre Klassengruppe. Etwa 20-mal kommt ein „Guten Morgen“ zurück. „Hast du gut geschlafen?“, fragt einer. 19 Antworten mit „Ja“, einmal „Nein“. Besorgte Nachfragen „was war los…..“ etwa 20-mal. Auf sehr anschauliche und unterhaltsame Art und Weise erläuterte Referent Moritz Becker an einem Abend in der Aula der Kreuzburg interessierten Eltern das Verhalten von Jugendlichen in sozialen Netzwerken. Mitgebracht hatte er hierzu Max und Lisa, nach seinen Worten „typische Jugendliche von heute“, die etwas über sich erzählen sollten.
Tatsächlich waren Lisa und Max nur zwei Holzfiguren und daher nicht sehr redselig, aber Moritz Becker verstand es, anhand dieser Figuren Verhaltensweisen und Beweggründe von Jugendlichen begreiflich zu machen. Er nahm Erziehungsberechtigten die Angst vor den unbekannten neuen Medien und gab hilfreiche Tipps für ein gelungenes, „mediales“ Miteinander.
Der Elternabend mit Moritz Becker von der Smilie e.V. , einem Verein zur Förderung der Medienkompetenz, war nur ein Teil des Programmes, in dem es um das Thema „Schüler bei WhatsApp, Facebook und Instagram“ ging.
Am Vormittag ging Becker in drei Klassen (6, 7 und 8) der Frage nach, wie und warum junge Menschen in sozialen Netzwerken so umfangreich private Informationen teilen. Ausgehend von einer Abfrage des eigenen Medienverhaltens erhielten die Schüler die Möglichkeit, sich auch über rechtliche Aspekte, z.B. das Recht am eigenen Bild, zu informieren.
Der Nachmittag war für eine Fortbildung der Klassenlehrer und weiterer interessierter Lehrkräfte reserviert. Becker stellte die provokante Frage, was Schule die private Kommunikation via Whatsapp außerhalb des Unterrichts überhaupt angehe. Schnell wurde klar, dass dies notwendig ist, wenn schulische Belange, etwa der Klassenfrieden, das Leistungsvermögen etc. in Mitleidenschaft gezogen würden. Becker stimmte jedoch nicht in den Medienpessimismus vieler Psychologen und Pädagogen ein. Dass sich Kinder und Jugendliche mit verschiedensten Postings im Internet zeigten, sei angesichts ihrer psychologischen Entwicklung durchaus nachvollziehbar. Junge Menschen suchen eine eigene Identität, sehnen sich nach Anerkennung und Aufmerksamkeit, wollen Freiheit und Orientierung. Jugendliche sind dabei schon immer neugierig und unbekümmert gewesen. Social Media sei damit nichts Neues, sondern vielmehr nur ein „neues Mittel“, sich in der Welt auszudrücken und darzustellen.
Hier müsse laut Becker die Präventionsarbeit in der Schule ansetzen. Er schloss nicht aus, dass neue Medien auch missbräuchlich eingesetzt werden können. Cybermobbing und Sexting müsse ebenso entschlossen und konsequent entgegengetreten werden wie einer zu exzessiven Nutzung von Instant Messengern. Moritz Becker wünscht sich, dass die Schüler eine „Digitale Zivilcourage“ ausbilden. Es sei nicht das Internet, sondern Menschen, die sich online beleidigten. Vor dem Erwerb von Medienkompetenz müsse daher immer Sozialkompetenz vorhanden sein. Die Lehrer sollten ihre Schüler animieren, sich gegen Beleidigungen und Verleumdungen im Netz zu positionieren, um Schwächeren und Minderheiten beizustehen.



