Theater hautnah: „Der zerbrochne Krug“ als packendes Zweimannstück am FGK
Wenn Theater nicht im Theater stattfindet, sondern direkt dorthin kommt, wo der Alltag ist, entsteht eine ganz besondere Spannung: Plötzlich wird aus einem vertrauten Raum eine Bühne – und aus Zuschauenden eine sehr unmittelbare „Gerichtsgemeinde“. Genau das konnten die gesamte Q1 und der Leistungskurs Deutsch der Q3 erleben, als THEATERmobileSPIELE, ein freies Profitheater aus Karlsruhe, an der Kreuzburg zu Gast war und Heinrich von Kleists Komödie „Der zerbrochne Krug“ als Zweimannstück aufführte. Kleists Stück ist ein Klassiker: In der Handlung wird vor Gericht verhandelt, wer einen Krug zerbrochen hat. Das Pikante: Der Dorfrichter Adam, der den Fall leitet, ist selbst in die Sache verstrickt und versucht im Verlauf der Verhandlung, die Wahrheit zu verbiegen – bis sich die Hinweise gegen ihn verdichten.
Gespielt wurde im Probenraum – gleich zweimal: in der 3./4. Stunde sowie in der 5./6. Stunde. Jede Vorstellung dauerte etwa 70 Minuten, ehe es direkt im Anschluss jeweils noch ein Gespräch mit den Schauspielern gab, in dem Fragen gestellt werden konnten: zur Inszenierung, zu Kleists Sprache, zum Beruf des Schauspielers, zu Rollenarbeit – und dazu, wie man ein Stück, das einige Figuren hat, zu zweit so lebendig auf die Bühne bringt. Ein zusätzlicher Blick hinter die Kulissen war ebenfalls möglich: Der Leistungskurs Deutsch aus der Q1 von Herrn Esche unterstützte beim Auf- und Abbau der Kulisse und erhielt dabei spannende Einblicke in Bühnenaufbau, Requisiten und die praktische Theaterarbeit.
Gerade weil fast das ganze Stück als Gerichtsverhandlung abläuft, passt es erstaunlich gut in eine schulische Spielsituation: Man sitzt nah dran, beobachtet jedes Ausweichen, jedes Wortgefecht – und merkt, wie schnell Sprache zur Strategie werden kann. Das Ensemble betont in dieser Fassung besonders das Motiv des „Falls“ (im wörtlichen wie im übertragenen Sinn) – und setzt dabei auf die Energie des Spiels zu zweit. Ob Kleists Sprachwitz, die Dynamik eines live „kippenden“ Gerichtsprozesses oder die direkte Begegnung im Nachgespräch: Der Besuch hat gezeigt, wie stark Theater Unterricht bereichern kann – nicht als „Zusatz“, sondern als eigene Form des Verstehens.


