Advent mit allen Sinnen – 1. Montagsimpuls im Advent
Einführung
Am Beginn der kommenden Wochen wünschen wir uns manchmal einen „besinnlichen Advent“. Wir meinen damit, dass wir nicht wie von Sinnen durch die Tage hetzen, sondern etwas zur Ruhe kommen sollen. Da das sowieso selten gelingt, wollen wir in diesen Impulsen nicht weniger machen, sondern Sie alle zu einem „Mehr“ anregen. Wir wollen in diesen Tagen jede Wochen einen unserer Sinne „trainieren“ und uns damit konzentrieren auf das Hören, Sehen und Spüren. Wir wollen unsere Sinne schärfen und wünschen somit allen einen beSINNlichen Advent!
3. Dezember 2018 – 1. Adventswoche HÖREN

Lied: O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu (GL233)
Geschichte
Ein Indianer besucht einen weißen Mann. In einer Stadt zu sein, mit dem Lärm, den Autos und den vielen Menschen – all dies ist ungewohnt und verwirrend für ihn. Die beiden Männer gehen die Straße entlang, als der Indianer plötzlich stehen bleibt: „Hörst du auch, was ich höre?“ Der Freund horcht: „Alles, was ich höre, ist das Hupen der Autos und das Rattern der Omnibusse.“ „Ich höre ganz in der Nähe eine Grille zirpen.“ „Du musst dich täuschen. Hier gibt es keine Grillen. Und selbst wenn es eine gäbe, man würde sie bei dem Lärm nicht hören.“ Der Indianer geht ein paar Schritte weiter und bleibt vor einer Hauswand stehen. Wilder Wein rankt an der Mauer. Er schiebt die Blätter auseinander – und da sitzt tatsächlich eine Grille. Der andere sagt: „Indianer können eben besser hören als Weiße.“ „Ich bin nicht sicher“, erwidert der Indianer, lässt sich ein 50-Cent-Stück geben und wirft es auf das Pflaster. Es klimpert auf dem Asphalt, Leute bleiben stehen und sehen sich suchend um. „Siehst du“, sagt der Indianer, „das Geräusch, das das Geldstück gemacht hat, war nicht lauter als das der Grille. Und doch hörten es viele. Wir alle hören eben das gut, worauf wir zu achten gewohnt sind.“(Aus: Andere Zeiten e.V.: Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten. S. 38f)
Gedanken
Unsere Ohren sind ganz besondere Sinnesorganen:Die Ohren sind immer offen. Sie lassen sich nicht verschließen. Alles geht durch sie hinein: die Beleidigung, die verletzt, das tröstende Wort, das heilt. Unser Ohr mahnt: Mensch, hab ein offenes Ohr für die Menschen, für die Welt, für Gott.
Der Gehörsinn ist der einzige von den 5 Sinnen, der rundherum alle Geräusche aufnehmen kann. Die anderen Sinne, wie z.B. die Augen, können hinten nichts sehen, sondern nur das, was in ihr Blickfeld kommt.
Die Ohren können uns das mitteilen, was nicht im Blickfeld ist, was hinter uns geschieht, was wir nicht sehen, fühlen oder riechen können. Das Ohr ist also ein umfassender Sinn. Seien wir also wachsam für das, was um uns herum passiert.
Das Ohr nimmt Unsichtbares auf: den Klang, den Laut, die Sprache, die Botschaft. So steht das Ohr auch für jenen Sinn, über den Gott seine Botschaft an uns Menschen heranbringt. Gott ist unsichtbar. Und doch kann unser Herz ihn hören, wenn wir unser Herz öffnen. Hören ist der Glaubenssinn. Ohren sind immer offen. Sie lassen sich nicht verschließen. Aber sie lassen sich schulen und trainieren. Sie lassen sich öffnen, um hinzuhören, z.B. auf die Not unserer Mitmenschen. Um das zu hören, woran das Herz glaubt.
IMPULS:
So wollen wir in dieser Adventswoche versuchen, unsere Ohren zu trainieren. Wir wollen sie nicht auf Durchzug stellen, sondern mal bewusst hinhören. Vielleicht ist es möglich, beim morgendlichen Gebet zwei Minuten Stille zu halten, diese Stille zu genießen und uns währenddessen überlegen, wo wir am jeweiligen Tag den Filter der Liebe vor unsere Ohren halten wollen. Wir wünschen spannende Erfahrungen damit.
Vater unser
Segen
Herr, segne meine Ohren,dass sie deine Stimme
zu erhorchen vermögen,
dass sie hellhörig seien
für die Stimme der Not,
dass sie verschlossen seien
für den Lärm und das Geschwätz,
dass sie das Unbequeme nicht überhören.
(Sabine Naegeli: Du hast mein Dunkel geteilt S.104f)

