Advent mit allen Sinnen – 2. Montagsimpuls im Advent
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1. Dezember 2018 – 2. Adventswoche
SEHEN
Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (GL 450)
oder Wir sagen euch an den lieben Advent.Sehet, die zweite Kerze brennt.
So nehmet euch eins um das andere an,
wie auch der Herr an uns getan.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.
Geschichte
Das kleine LichtIn einem Winkel der Welt kauerte verbissen, freudlos und trotzig eine dicke, schauerliche Finsternis.
Plötzlich erschien in dieser Not ein kleines Licht;
klein, aber ein Licht. Es war ganz einfach da und leuchtete.
Einer, der vorüber ging meinte: „Du ständest besser woanders als in diesem abgelegenen Winkel.“
„Warum?“, fragte das Licht. „Ich leuchte, weil ich Licht bin, und weil ich leuchte, bin ich Licht. Ich leuchte nicht, damit ich gesehen werde. Nein, ich leuchte, weil es mir Freude macht, Licht zu sein.“
Aber die düstere Finsternis ging zähneknirschend und wütend gegen das Licht an. Und doch war die ganze große Finsternis machtlos gegen dieses winzige Licht.
(Aus: Willi Hoffsümmer: Kurzgeschichten Band 7)
GEDANKEN
Lichterketten, blinkende Sterne, neonfarbene Rentiere, zuckende Leuchtreklamen – wenn es draußen dunkel wird, werden unsere Augen in der Vorweihnachtszeit mit Leuchtstoffen der unterschiedlichsten Art überanstrengt. Oft wollen wir so viel grelles Licht gar nicht sehen, und die Reizüberflutung lässt unsere Köpfe schwirren.Wenn die Lichter zu hell und zu grell werden, dann sind wir wie geblendet. Da können wir manches gar nicht sehen und übersehen vielleicht auch etwas Wichtiges.
Wir sollten mal die Augen schließen, einen Augenblick warten und unsere Augen zur Ruhe kommen lassen. Wenn wir sie dann wieder öffnen und nicht mehr geblendet werden, können wir vielleicht mehr sehen, tiefer sehen, tiefgründiger sehen, mit dem Herzen sehen. Unsere Augen sind dann nicht mehr nur Sinnesorgane, sondern können Fenster zur Seele werden. Unsere Augen können jetzt beim Anderen verweilen. Unsere Augen haben jetzt Zeit. Unsere Augen können aufmerksam hinschauen, die Menschen um uns herum wahrnehmen. Wir sehen Not, Hilfsbedürftigkeit und Erwartungen. Wir sehen Herzlichkeit, Trost und Zuneigung. Das SEHEN ist nun anders als sonst. Unsere Augen haben sich daran gewöhnt, erwartungsvoll zu schauen, adventlich zu sehen. ERWARTUNGSVOLLE AUGENBLICKE.
IMPULS:
So wollen wir in dieser Adventswoche versuchen unsere AUGEN zu trainieren. Wir wollen uns nicht blenden lassen, sondern mal in Ruhe hinschauen. Vielleicht ist es möglich beim morgendlichen Gebet zwei Minuten Stille zu halten, die Augen dabei zu schließen und uns dabei überlegen, für wen wir an diesem Tag ein Licht in der Dunkelheit sein können, bei wem wir am jeweiligen Tag die Brille der Liebe aufsetzen wollen.Wir wünschen euch lichte Momente dabei.
Vater unser
Segen
Herr, segne meine Augen,dass sie Bedürftigkeit wahrnehmen,
dass sie das Unscheinbare nicht
übersehen,
dass sie hindurchschauen
durch das Vordergründige,
dass andere sich wohl fühlen können
unter meinem Blick.
(Sabine Naegeli: Du hast mein Dunkel geteilt S.104f)

