Fastenimpuls 2 – „Die Werke der Barmherzigkeit für unsere Schule“ – Ich höre dir zu
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Lied: „Herr, gib Ohren, dich zu versteh‘n“.Geschichte:
„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: zuhören. Das ist nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.
Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, dass rastlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!“
(aus: Michael Ende: Momo)
Gedanken
Wir könnten meinen, dass wir gerade in der Schule zuhören lernen können. Da geht es doch ums nichts anderes, als hinzuhören und zu begreifen. Aber so ist das nicht. Freundschaften zerbrechen oft daran, dass Freunde das Gefühl haben, der oder die andere hört nicht zu oder ist nur mit einem halben Ohr dabei. Das geschieht z. B. dann, wenn sich zwei Leute begrüßen und sie schauen sich nicht an. Oder zwei Menschen sitzen beisammen, und einer guckt ständig aufs Handy oder beginnt mitten im Gespräch eine Nachricht zu tippen. Menschen fühlen sich dann nicht mehr ernst genommen. Und oft beginnen Menschen dann zu schweigen.
Hinhören, aufeinander zu hören ist gar nicht so selbstverständlich, wie wir das meinen. Aber nur wer hinhören kann, bekommt auch mit, wie es einem anderen Menschen geht. Wer sein Ohr einem anderen öffnet, der öffnet damit auch das Herz. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Das Wort, das dir hilft, kannst du nicht selber sagen.“
Impuls
Wir wäre es, wenn wir in dieser Woche bewusst auf den Umgang mit dem Handy achten? Wenn wir in einer Gruppe zusammensitzen, stellen wir das Handy aus und wenden uns ganz dem Gegenüber zu. Ich weiß, das ist für manche eine echte Herausforderung. Aber so werde ich aufmerksam für den anderen Menschen, kann hören und ihm oder ihr ein gutes Wort sagen, weil „ich dir zuhöre“.Gebet
Du guter Geist Gottes,
weil Hören vor dem Sprechen kommt,
weil gerade diejenigen Wertschätzung verdienen,
die anderer Meinung sind. –
Damit wir gelassen wahrnehmen,
was ist und was sein kann,
bitten wir um Deinen Geist:
Wirke in uns, Du Geist der Achtsamkeit.
(Bernhard Krause)
Segen
Es segne uns in dieser Woche der Gott,
der für uns alle ein Ohr hat:
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist

