Fastenzeit 2015 – Das Kreuzbild von San Damiano – Impulse durch die Jahrhunderte
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Gesamtkreuz „Licht im Leben“.
In diesem Jahr möchten wir in der Fastenzeit ein Kreuz betrachten, das uns bekannt sein sollte. Eine Kopie des Kreuzes hängt in der Aula unserer Schule. Das Original jedoch befindet sich heute in der Kirche der heiligen Klara in Assisi. Es wurde im 12. Jahrhundert in Italien gefertigt, auch wenn es im byzantinischen Ikonenstil gemalt wurde. Ursprünglich hing es in der Kirche San Damiano vor den Toren von Assisi.
Ikonen sind keine frommen Dekorationen in Kirchen. Vielmehr wollen Ikonen Menschen mit GOTT in Berührung bringen. Sie wollen „Fenster“ für das göttliche Licht sein. Ikonen wollen nicht alleine die Sinne, sondern die Seele bewegen. Sie wollen den Menschen in ihrem Leben ansprechen.
Die Geschichte von San Damiano
Es ist das Jahr 1205. Franziskus ist gerade 23 Jahre alt und schon war sein Lebenstraum zerplatzt. Eigentlich wollte er als Soldat Karriere machen und Ritter werden. Doch in seiner ersten Schlacht wurde er gefangen genommen. Er hatte Glück gehabt. Viele seiner Freunde kamen während des Kampfes oder in der Gefangenschaft um. Er selbst lag fast zwei Jahr im Kerker bis er freigekauft wurde und krank zu seiner Familie zurückkehren konnte. Doch es war etwas in ihm zerbrochen. In seinem Herzen war es dunkel geworden und kalt. Er wollte nur noch alleine sein. Er mied die alten Freunde und trieb sich in der Umgebung von Assisi herum.
An diesem Tag kommt er an einer zerfallenen Kirche vorbei. Sie ist dem heiligen Damian geweiht. Besonders fromm ist Franziskus nicht. Aber er geht in die Kirche. Darin hängt über dem Altar – auf Augenhöhe – dieses Kreuz. Darunter brennt eine einsame Kerze. Franziskus ist plötzlich ganz aufmerksam. Er fühlt sich eingeladen und angeschaut. Er beginnt zu beten. „Höchster Gott“, betet er. „Mache die Finsternis in meinem Herzen hell! Zeig mir, was ich tun soll!“
Auf einmal hört er eine Stimme, die vom Kreuz her in sein Herz spricht. Sie sagt ihm: „Franziskus, sieh dich um. Ich brauche dich! Bau mit mir diese Kirche wieder auf!“ Da weiß Franziskus, dass er wichtig ist und was er tun soll. Dieser Auftrag gibt ihm neues Licht in seine Dunkelheit. „Ja, Herr“, sagt er. „Das will ich gerne tun!“ Und Franziskus beginnt neu zu leben.
Übertragung
Manchmal haben wir auch das Gefühl, dass wir nicht wissen, wie der Tag gelingen soll. Wir haben das Gefühl, dass es im Inneren dunkel ist. Wir wissen nicht recht, wie unser Leben gelingen kann. Dann ist es gut, mit jemanden zu sprechen, von jemandem angesehen zu werden. Nicht alleine zu sein. Das ist wie ein Licht in der Dunkelheit des Lebens. Franziskus hatte Freunde, die ihm nahe standen. Aber in der Not wurde es Gott, zu dem er ging und von dem er eine Antwort bekam. Das Kreuz von San Damiano lädt auch uns ein, mit Gott, mit Jesus in den Austausch zu gehen. Er schaut uns an und hat offene Arme.
Übung für die Woche:
Ich schreibe mir das Gebet von Franziskus auf eine Karte, ein Blatt Papier. Ich nehme es diese Woche immer wieder hervor und bete es.
Gebet:
Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
sichere Hoffnung
und vollkommene Liebe.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften
Auftrag erfülle.
Amen
