„Nur ich“ – 4. Impuls in der Österlichen Bußzeit

Lied:
„Den Weg wollen wir gehen“
Geschichte
Geschwisterliebe
Zwei Schwestern wohnten dicht beieinander. Die Jüngere war verheiratet und hatte Kinder, die Ältere war unverheiratet. Die beiden arbeiteten zusammen und bestellten gemeinsam ihr Feld. Zur Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße, für jede einen.
Als es Nacht wurde, konnte die Ältere keine Ruhe finden: Meine Schwester hat eine Familie, ich bin allein und ohne Kinder, sie braucht mehr Korn als ich. Also stand sie auf und wollte heimlich ein paar von ihren Garben zu denen ihrer Schwester legen.
Auch die Jüngere konnte nicht einschlafen. Meine Schwester ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in ihren alten Tagen für sie sorgen? Und sie stand auf, um von ihren Garben ein paar zum Stoß der Älteren zu tragen.
Auf halbem Weg, mitten auf dem Feld, trafen sie einander. Da erkannte jede, wie gut es die andere mit ihr meinte. Sie ließen ihre Garben fallen und umarmten einander. Seither wird gesagt, dieser Ort ist heilig.
(Aus: Typisch – Kleine Geschichten für andere Zeiten)
Impuls
„Nur ich allein weiß, was mir gut tut!“, sagt Einer.„Nur ich kann für mich und mein Leben entscheiden!“, sagt die Nächste. Nur ICH!
Manchmal machen wir uns selbst zum Mittelpunkt der Welt. Zuweilen brauchen wir die anderen nur, um unsere eigenen Ziele zu erreichen. Doch wenn jeder nur an sich denkt, dann wird die Welt zu einer Arena, in der Menschen gegeneinander kämpfen. Jede und jeder will den einen ersten Platz ergattern.
Leben jedoch kann nur gemeinsam gelingen. Nur zusammen können wir unsere Schule und auch das eigene Leben gestalten. Dafür braucht es den Blick für die Menschen neben uns.
Deswegen steht diese Woche unter dem Motto:
Pass auf! Es gibt nicht nur DICH!
Nimm dich auch mal zurück! Versuche, zusammen mit anderen etwas zu erreichen! Arbeite vor allem auch mit denen zusammen, die alleine stehen! Versuche ein Gespür für die Bedürfnisse der anderen zu entwickeln!
Und du wirst sehen und spüren, dass in dieser Weise eine Gemeinschaft entstehen kann, die aufeinander achtet.
Gebet
Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glaube bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn, wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zu neuem Leben.
(Frankreich 1913)

